Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Kolmar

Zur Zeit der Reformation gehörte die Stadt Chodschesen (poln. Chodzicz), später Kolmar i. P. benannt, der Familie Potulicki. Als August Potulicki das evangelisch-lutherische Bekenntnis annahm, übergab er die dortige katholische Kirche seinen Glaubensgenossen, denen sie auch verblieb, bis im Anfang des 17. Jahrhunderts der Kastellan von Santok Johann Potulicki zur katholischen Kirche zurückging.

Die deutschen evangelisch-lutherischen Christen, welche sich vornehmlich seit der ersten Hälfe des 18. Jahrhunderts in und um Kolmar niederließen, mussten sich anfangs zum Gottesdienst bis nach Gramsdorf in die Kirche begeben, ihre Taufen und Trauungen aber von dem katholischen Ortsgeistlichen verrichten lassen. Nachdem die Stadt dem Netzedistrikt Westpreußens einverleibt war, kam der Pfarrer Samuel Gottlieb Benicke aus Gramsdorf einige Male im Jahr herüber und hielt in einem Privathaus Andacht und Abendmahl. Im Jahr 1774 erteilte der Grundherr der Stadt, Graf Sigismund Grudzinski, den evangelischen Bewohnern der Stadt das Recht, eine eigene Kirche zu bauen; er schenkte dazu den Bauplatz, und wenig später wurde der Bau einer hölzernen Kirche begonnen, auch 1776 ein Pfarrhaus mit Pfarrgarten angekauft. Benicke blieb bis zu seinem Tod 1778 Gastprediger der Gemeinde. Da erst wurde Kolmar der Mittelpunkt eines eigenen Kirchspiels; der erste Pfarrer Krüger wurde berufen, und die Kirchenmatrikel erhielt am 25. Mai 1779 die Bestätigung der Königl. Regierung in Marienwerder.

Die Kirche hatte bei einem Brand in der Nähe schon 1780 Schaden erlitten und wurde nach und nach so baufällig, dass sie 1820 abgerissen werden musste. An ihrer Stelle wurde im Jahr 1829 ein massives Gotteshaus errichtet, wozu König Friedrich Wilhelm III. die ganze veranschlagte Summe schenkte. Es wurde durch den Bischof Freymark, der in Kolmar geboren wurde, am 18. Oktober 1831 geweiht. Diese Kirche wurde nach 1945 abgebrochen.

Zu diesem Kirchspiel gehören außer der Stadt Kolmar ansehnliche Dörfer mit deutscher Bevölkerung, wie Podanin, wo schon im 17. Jahrhundert eine Kirche war, die auf Betreiben der katholischen Geistlichkeit 1719 zerstört wurde, und wo um 1898 ein Bethaus war, Strozewo-Hauland, wo eine 1793 erbaute Filialkirche ist (bildet mit Knarrhütte eine besondere Filialgemeinde), Strozewo, wo lange Zeit im Schullokal Gottesdienst stattfand, seit 1893 aber ein Bethaus steht, Ostrowke und Milsch-Hauland mit einem Bethause, ferner Rattay, Ober- und Unterlesnitz, Milsch mit Neukrug, Studzin mit Kloßmühle, Kamionke, Nikolskowo, Christinchen, Chodschesen-Stadtmuhle, Schloss Chodschesen, Busczkowo, Krumke, Neuwerder, Helmsgrün, Pietronke, Straußberg, Wilsbach, Adolfsheim. Im Jahr 1867 wurde Zachasberg und 1894 Radwonke und Alyrode von hier abgezweigt.

Die Zahl der Gemeindeglieder betrug um 1889 6.045 und 1937 1.650 Personen. Dokumente zur Filia Hermstal mit Knarrhütte wurden beispielsweise unter Straußberg und unter Kirchdorf gefunden.

Abschrift und Bearbeitung des Textes aus Werner/Steffani, Überarbeitung und Ergänzung: Jutta Grube im Dezember 2020

 

Quellen:
Golon, Arnold und Steffani, Johannes: Posener Evangelische Kirche. Ihre Gemeinden und Pfarrer von 1548 bis 1945, 1967
Krüger, Paul (Hrsg.): Antlitz und Geschichte des Kreises Kolmar (Posen), Heimatkreisgemeinschaft Kolmar, Posen; Kiel 1970, S. 60.
Werner, Albert u. Steffani, Johannes: Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen, Posen 1898, Seite 209 ff.

Artikel in Wikipedia Unierte Evangelische Kirche in Polen (zuletzt besucht am 09.12.2020)

 
 

Evangelische Kirchengemeinde Kolmar

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