Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Zirke

Im Jahr 1416 verlieh der polnische König Władisław II. Jagiełło der Stadt Zirke (poln. Sieraków) auf Ersuchen des damaligen Grundherrn Dobrogost das Magdeburgische Recht. Die Verleihung wurde durch die Könige Kasimir IV im Jahr 1459 und Sigismund I im Jahr 1513 bestätigt. Hieraus geht scheinbar hervor, dass Zirke schon im 15. und 16. Jahrhundert zahlreiche deutsche Bewohner hatte, welche durch die Lage der Stadt an der schiffbaren Warthe und durch den Handel mit der (Neu-)Mark, besonders mit Driesen, sowohl als auch durch die Magnaten, welche in Zirke ihre Residenzen hatten, herbeigezogen sein konnten. Die Reformation mag zwar nach dem Beispiel des benachbarten Birnbaum, wo sie sich unter dem Schutz der Familie Ostroróg verbreitete, in Zirke bald Eingang gefunden haben; doch wirkte ihr sicherlich das begüterte Franziskanerkloster entgegen. Die Zahl der deutschen Einwohner war im 17. Jahrhundert nur gering. Unter dem Grundherrn Opaliński, Kastellan von Posen, und dessen Schwiegersohn, dem späteren König Stanisław Leszczyński, der eine Zeitlang dort wohnhaft war, wurde in der Zirker Herrschaft im Jahr 1692 die erste deutsche Hauländerei Bukowce gegründet. Als nach Rückkehr der sächsischen Königsfamilie die Zirker Güter in den Besitz des Grafen Brühl kamen, mehrten sich die deutschen evangelischen Ansiedler auf dem Land beträchtlich. So erhielten um 1750 die Gemeinden Radusch, Neuzattum, Bukowce, Tucholle und Eichberg die Erlaubnis, Schulen anzulegen und sich Predigtvorleser zu halten. Die Abendmahlsfeier besuchten sie vornehmlich die Kirche in Birnbaum; die Amtshandlungen verrichtete die katholische Geistlichkeit. Im Jahr 1760 stellte Graf Heinrich v. Brühl den Evangelischen in Zirke einen Salzschuppen zum gottesdienstlichen Gebrauch zur Verfügung (zu polnischer Zeit bestand ein Salzmagazin am Ort), und dies ist die erste Spur des hiesigen evangelischen Kultus.
Als den Dissidenten Religionsfreiheit gewährt wurde, war der Wohlstand der evangelischen Einwohnerschaft von Zirke wegen eine große Feuersbrunst am 31. März 1770 dermaßen gering, dass sie an die Gründung einer Pfarre nicht denken konnten. Im Jahr 1775 ging die Herrschaft Zirke an den Freiherrn Peter Nikolaus von Gartenberg (Sadogórski) über, welcher selbst dem augsburgischen Glaubensbekenntnis zugetan war. Er war von Antritt des Besitzes an sehr besorgt, seinen Glaubensgenossen eine Kirche und Pfarre zu gründen und ihnen im wahren Sinne des Wortes Patron zu werden. Vor einer Lokalkommission des evangelischen Konsistoriums verpflichtete er sich u.a., zur Besoldung eines Pfarrers in Zirke ein Kapital von 6000 Fl. Poln. auf seine Güter eintragen zu lassen und für Gründung und Erhaltung einer Kirche und Pfarre zu sorgen. Die Gemeinde steuerte ebenfalls nach Kräften bei, und so trat durch die Kirchenmatrikel vom 16. Januar 1776 belegt die Parochie ins Leben.

Noch im Jahr 1776 fand die Wahl des ersten Pfarrers Zeuschner statt. Inzwischen wurde der Gottesdienst in dem bereits genannten Salzschuppen fortgesetzt. Schon hatte man das von dem Patron zu einer Kirche geschenkte Bauholz zu bearbeiten begonnen, als dieser wegen zerrütteter Vermögensumstände die Zirker Güter an den Grafen Bninski zu verkaufen gezwungen war. Hierdurch geriet der Kirchenbau ins Stocken, und nur der stetigen Bemühungen Zeuschners ist es zuzuschreiben, dass die Gemeinde, der Unterstützung aus nah und fern, als auch vom neuen Gutsherrn, zufloss, eine Kirche in Fachwerk, mit Mauersteinen ausgeflochten, vollenden konnte. Diese wurde am 1. Adventssonntag 1785 geweiht. Bald darauf, am 6. Januar 1786, starb der Gründer des Kirchspiels, Freiherr von Gartenberg, in Driesen; er wurde in der Kirche zu Zirke beigesetzt. Der Bau eines Pfarrhauses erfolgte 1798. Im Jahr 1817 brannte die Stadt fast gänzlich nieder. Dieser Umstand veranlasste neben anderem den Verfall der Gemeinde, von welchem sie erst nach dem Jahr 1833 sich wieder zu erholen begann.

Im Jahr 1898 gehörten nach Abzweigung von Radusch außer der Stadt Zirke die Hauländergemeinden Bukowce, Neu-Zattun, Tucholle, Eichberg, Bacharzewo und die zerstreut wohnenden Evangelischen aus beinahe 50 anderen, meistens südlich der Warthe liegenden Ortschaften dazu. Die ganze Parochie zählte 3500 evangelische Seelen. Evangelische Schulen waren in Zirke, Neu-Zattum, Eichberg, Bukowce, Tucholle, Gr. Chrzypsko, Marianowo und Kobusz. Patron der Pfarre war der König, da die Zirker Herrschaft zu dieser Zeit Staatseigentum war. Die Gemeindeorgane wählten den Pfarrer aus drei ihnen vom Konsistorium vorgeschlagenen Bewerbern.

Abschrift und Bearbeitung des Textes aus Werner/Steffani, Überarbeitung und Ergänzung: Jutta Grube im Mai 2017

 

Quellen:
Golon, Arnold u. Steffani, Johannes: Posener Evangelische Kirche – Ihre Gemeinden und Pfarrer von 1548 bis 1945, Lüneburg 1967
Werner, Albert u. Steffani, Johannes: Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen, Posen 1898, Seite 437 ff.

 


 

Evangelische Kirchengemeinde Zirke

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