Das Städtchen Sandberg ist erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden. Es verdankt seine Gründung dem Kastellan von Schrimm und Besitzer von Groß Strelce, Karl von Koszucki zu Smorgorzewo. Dieser betrieb die Ansiedlungspolitik, insbesondere Einwohner anderer Städte, die aufgrund des Reichsgesetzes von 1775 die Schank- und Braugerechtigkeit eingebüsst hatten, unter günstigen Bedingungen für seine Güter zu interessieren. Er wies ihnen als Wohnsitz das Sandthal zu, wo bis dahin nur ein einzelnes Wirtshaus gestanden hatte.
Daraus entwickelte sich Sandberg, und zwar durch Zuzug von Katholiken, Evangelischen und Juden so rasch, daß es schon bald städtische Rechte erhielt. Die Zahl der Evangelischen war am Anfang bedeutender als später, da viele Familien durch wirtschaftliche Not zwischenzeitlich fortzuziehen genötigt waren. Nachdem die Religionsfreiheit der Dissidenten ausgesprochen worden war, erhielt von Koszucki vom Konsistorium zu Lissa die Genehmigung, eine evangelische Kirche und Pfarre zu errichten.
Der Grundherr verpflichtete sich laut Stiftungsurkunde vom 20. Dezember 1775 zum Bau der Gebäude, zur Unterhaltung des Pfarrers und Lehrers beizutragen und schenkte der Gemeinde ein Haus am Markt von Sandberg (späteres Pfarrhaus), in dem, bevor die Kirche erbaut war, der Gottesdienst stattfand. Diesen verrichteten übergangsweise der Pfarrer Fäustel aus Waischke und die Generalsubstituten Lauter (später Pfarrer in Bnin) und Zeuschner (später Pfarrer in Zirke). Zur Kirche schenkte von Koszucki den Bauplatz und Materialien, so wie er auch andere Unterstützung gewährte. Aus diesem Grund war die mittellose Gemeinde bereits 1782 in der Lage, den Kirchenbau zu vollenden. Nachdem von Koszucki seine Güter verkauft hatte, war die Gemeinde hauptsächlich auf sich selbst gestellt und hatte mit späteren Besitzern machen Kampf auszufechten.
Nach Abzweigung von Borek 1854 und Kröben 1893 bestand die Parochie aus den Städten Sandberg, Gostyn, der Filiale Dolzig, dem Dorf Daleszyn und etwa 50 Ortschaften und Gutsbezirken. Im Jahr 1857 erhielt die Pfarre Sandberg aus der Stiftung des verstorbenen Justizrates Kaulfus Zuwendungen, die die finanzielle Lage der armen Gemeinde verbessert hatte.
Abschrift und Bearbeitung des Textes aus Werner/Steffani, Überarbeitung und Ergänzung: Jutta Grube im März 2018
Quellen:
Golon, Arnold und Steffani, Johannes: Posener Evangelische Kirche. Ihre Gemeinden und Pfarrer von 1548 bis 1945, 1967
Werner, Albert u. Steffani, Johannes: Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen, Posen 1898, Seite 331 ff.