Als die Stadt Mogilno, wo sich eine der ältesten und reichsten Benediktinerabteien befand, 1772 von Polen getrennt und dem Netzedistrikt Westpreußens zugeschlagen worden war, mehrten sich die evangelischen Bewohner daselbst und in der Umgegend rasch. Sie begannen im Jahre 1791 den Bau eines hölzernen Bethauses, das aber erst 1791 vollendet war. Einen eigenen Pfarrer zu unterhalten, waren sie nicht imstande, vielmehr mussten sie sich viele Jahre damit begnügen, dass ihnen als Gastprediger die Pfarrer Neander aus Strelno, König aus Labischin und Hoffmann aus Schubin in ihrem Bethause von Zeit zu Zeit das Wort Gottes verkündigten.
Nach Bildung des Großherzogtums Posen wurde Mogilno zur Kreisstadt erhoben; nun zeigte sich der Staatsbehörde zwar bald das Bedürfnis der Gründung eines besonderen Pfarrsprengels hierselbst; doch konnte erst nach langen Unterhandlungen, sowie nach Beseitigung vieler Schwierigkeiten, und nachdem König Friedrich Wilhelm III. 1831 zum Ankauf eines Pfarrhauses 6000 Mark geschenkt und ein Pfarrgehalt von 900 Mark aus Staatskassen bewilligt hatte, zur Errichtung der Parochie im Jahre 1833 geschritten und der erste Pfarrer berufen werden. Diesem wurde zugleich die Verwaltung der Filiale Josefowo und Kaisersfelde übertragen.
Am 9. Mai 1840 stürzte das Bethaus in Mogilno zusammen, und seitdem war die Gemeinde genötigt, einige enge Zimmer des ehemaligen Klostergebäudes zu ihren Gottesdiensten zu benutzen. Nachdem der Gemeinde vom Könige Friedrich Wilhelm IV. ein Gnadengeschenk von 6900 Mark gewährt worden, ihr von den Gustav-Adolf-Vereinen in Bukarest, Leipzig, Königsberg, Frankfurt a.M., Coburg, Eisleben, Stuttgart, Wiesbaden, Düsseldorf, Hannover, Breslau, je. 2289 Mark zugeflossen waren, sie auch durch eine Landeskollekte eine namhafte Unterstützung empfangen hatte, konnte sie 1853 den Bau einer massiven, mit einem Turme versehenen Kirche beginnen, welche von dem Konsistorialrat Romberg aus Bromberg, der sich um die Entstehung der Pfarre besondere Verdienste erworben, am 19. November 1854 feierlich geweiht wurde (vgl. „Der Bote des ev. Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung‟ 1859 Nr. 3.; „Evangelisches Jahrbuch der Provinz Posen‟ v. Bork. 1861). Die erneuerte und erweiterte Kirche wurde am 20. Dezember 1907 eingeweiht.
Quellen:
Der Bote des Evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung; ausgesendet durch Karl Zimmermann und Karl Großmann, Darmstadt; 1859 Nr.3
Golon, Arnold und Steffani, Johannes: Posener Evangelische Kirche. Ihre Gemeinden und Pfarrer von 1548 bis 1945, 1967
Schöllner, B. (Hrsg.): Bork’s Evangelisches Jahrbuch für die Provinz Posen auf das Jahr 1861, Posen 1. Jg. 1861 (ab 1874: Evangelischer Volkskalender, (Hrsg.) Evangelischen Diakonissen-Anstalt in Posen, Posen)
Werner, Albert u. Steffani, Johannes: Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen, Posen 1898, Seite 219 ff.