Geschichte der jüdischen Gemeinde Babiak

Die ersten Juden siedelten vermutlich im frühen 19. Jahrhundert in Babiak (Hebr. בביאק). Im Jahr 1820 lebten hier 111 Juden und bildeten damit 24 Prozent der Gesamtbevölkerung. Vier Gerbereien waren zu dieser Zeit in jüdischem Besitz. 1857 waren es 240 jüdische Einwohner. Bei einer Volkszählung im Jahr 1921 gaben 237 Personen der insgesamt 812 Einwohner Babiaks an, jüdischen Glaubens zu sein (29,2 %). Eine Synagoge wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Zentrum des Ortes errichtet (heute Tadeusz-Kościuszko-Straße 17). Sie wurde während des Zweiten Weltkrieges von den Nationalsozialisten zerstört und nach dem Krieg zu einem Wohnhaus umgebaut. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts und zwischen den beiden Weltkriegen war ein Teil der jüdischen Familien in Babiak in der Landwirtschaft tätig. Darüber hinaus gab es jüdische Kleinhändler und Handwerker.

Im September 1939 besetzten deutsche Truppen Babiak und vertrieben einen Monat später vierzig Prozent der polnischen Bevölkerung. Am 2. Oktober 1940 deportierten die deutschen Besatzer alle Mitglieder der lokalen jüdischen Gemeinde, etwa 240 Personen, in ein Dorfghetto, das in den beiden benachbarten Dörfern Bugaj (Hebr. בוגאי) und Nowiny Brdowskie (Hebr. נוביני ברדובסקיה) neu geschaffen worden war. Auf dem Gelände mit einer Größe von ca. 300 Hektar befanden sich etwa 165 zuvor von polnischen Bauern bewohnte Häuser. Das Dorfghetto wurde von den deutschen Besatzern "jüdische Kolonie Bugitten und Neuhagen" genannt. Dorthin wurden auch mehrere Hundert Juden aus Koło gebracht. Im Dezember 1941 bzw. zwischen dem 12. und 14. Januar 1942 deportierten die Nationalsozialisten alle Juden des Dorfghettos in das Vernichtungslager Kulmhof (Vernichtungslager Chełmno; Hebr. מחנה ההשמדה חלמנו) in Chełmno nad Nerem, wo sie ermordet wurden.

Die Transporte der Juden der Region in das Vernichtungslager Kulmhof/Chełmno hatten am 7. Dezember 1941 begonnen. Am darauf folgenden Tag nahm das Lager seinen Betrieb auf. Zu den ersten Opfern gehörten die Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Koło (Hebr. קולו), Dąbie (Hebr. דומביה), Sompolno (Hebr. סומפולנו), Kłodawa (Hebr. קלודבה), Babiak (Hebr. בביאק), Dęby Szlacheckie (Hebr. דמבי שלאחצקיה), Izbica Kujawska (Hebr. איזביצה קויווסקה), Nowiny Brdowskie (Hebr. נוביני ברדובסקיה) und Grodziec (Hebr. גרודז’ייץ). Unter den ersten Deportierten waren auch 5000 Zigeuner, die in einem separaten Teil des Ghettos Litzmannstadt (Ghetto Łódź; Hebr. גיטו לודז‘) inhaftiert gewesen waren.

Bevölkerungszahlen[1]
Jahr Gesamtbevölkerung Juden
1827 544 192
1857 521 240
1921 812 237
1. Sep. 1939 (?) ca. 240

 

[1] Danuta Dąbrowska und Abraham Wein (Hrsg.), Pinqas ha-qehillot Polin: ʿentsiqlopedyah shel ha-yishuvim ha-yehudiyim le-min hivasdam ve-ʾad le-ʿahar shoʿat milkhemet ha-ʾolam ha-shniyah [Pinkas HaKehillot Poland: Encyclopaedia of Jewish Communities], Bd. 1: Lodz ve-ha-galil [The Communities of Lodz and its Region] (Jerusalem: Yad Vashem, 1976), S. 59 [Hebräisch].

 

Text: Karsten Mettendorf

Quellen:

  • Michael Alberti, Die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Reichsgau Wartheland 1939–1945 (Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2006), S. 201.
  • Krzysztof Bielawski, "Babiak: Społeczność żydowska przed 1989: Historia", überarbeitet von Adam Dylewski, Projekt Virtuelles Schtetl, Warschau: POLIN Museum für die Geschichte der Polnischen Juden (Hrsg.) (besucht am 23. Juni 2015) [Polnisch].
  • Przemysław Burchard, Pamiątki i zabytki kultury żydowskiej w Polsce: Zebrał, opracował i wstępem opatrzył (Warschau: Piotr Piotrowski, 1990), S. 104 [Polnisch].
  • Danuta Dąbrowska und Abraham Wein (Hrsg.), Pinqas ha-qehillot Polin: ʿentsiqlopedyah shel ha-yishuvim ha-yehudiyim le-min hivasdam ve-ʾad le-ʿahar shoʿat milkhemet ha-ʾolam ha-shniyah [Pinkas HaKehillot Poland: Encyclopaedia of Jewish Communities], Bd. 1: Lodz ve-ha-galil [The Communities of Lodz and its Region] (Jerusalem: Yad Vashem, 1976), S. 59 [Hebräisch].
  • Przemek, "Babiak: Informacje o mieście: Historia miejscowości", Projekt Virtuelles Schtetl, Warschau: POLIN Museum für die Geschichte der Polnischen Juden (Hrsg.) (besucht am 23. Juni 2015) [Polnisch].
  • Przemek, "Synagoga w Babiaku (ul. Tadeusza Kościuszki 17)", überarbeitet von Marta D. und Małgorzata Płoszaj, Projekt Virtuelles Schtetl, Warschau: POLIN Museum für die Geschichte der Polnischen Juden (Hrsg.) (besucht am 23. Juni 2015) [Polnisch].
  • "Babiak", in: The Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Shmuel Spector und Geoffrey Wigoder (Hrsg.), Bd. 1: A–J (New York: New York University Press, 2001), S. 66 [Englisch].
  •  

    nach oben
     

    Jüdische Gemeinde Babiak

    nav nav
    nach oben
    Die Inhalte der Website und das Menü sind so umfangreich, dass wir empfehlen, das Querformat zu benutzen.