Personen der evangelischen Kirchengemeinde Sienno

   

1. Die Pfarrer

Friedrich Just, 1912-1939

* 24.06.1885, Neudorf, Kreis Czarnikau/Posen
† 01.09.1939, Sienno b. Klarheim, Landkreis Bromberg/Posen

Er war ein schlichter Dorfpfarrer, verdient es aber doch sich seiner zu erinnern. Friedrich Just kam als Sohn eines kurz vor seiner Geburt verstorbenen Bauern in Neudorf zur Welt. Sein Heimatdorf lag nahe dem Städtchen Schönlanke damaligen Kreis Czarnikau und war seit 300 Jahren ein deutsches Schulzendorf. Wegen seiner rein deutschen Bevölkerung verblieb 1920 dieser Teil der Provinz Posen beim deutschen Reich. Den Schulbesuch schloß der begabte Knabe 1905 mit dem Abitur auf dem Gymnasium in Züllichau ab und studierte darauf in Straßburg und Halle Theologie.
Nach Abschluß seiner Ausbildung unter den Generalsuperintendenten von Posen D. Hesekiel und D. Paul Blau war Just 1910-12 Hilfsprediger in Weichseltal bei Schulitz, einer schwierigen Gemeinde ohne Kirche und Pfarrhaus. Schon hier zeigte sich die große Gabe Justs, Menschen der verschiedensten Art und Stellung zur Zusammenarbeit in der christlichen Gemeinde zu bringen und die Jugend für den Glauben zu gewinnen. Diese Gabe hat Just dann von 1912 bis zu seinem Tode in der Gemeinde Sienno bei Bromberg ganz besonders bewiesen. Die Kirchengemeinde Sienno war erst 1872 aus mehreren, sehr verschiedenen Teilen entstanden und hat dann 1895 eine kleine Kirche mitten in den Feldern einweihen können. 8 Dörfer und 7 Güter gehörten zu diesem Kirchspiel, in dem 2/3 der Bevölkerung polnische Katholiken waren; nur ein Ansiedlungsdorf Friedingen hatte rein deutsche Bevölkerung. Dass aus den weit verstreuten und sozial sehr unterschiedlichen Menschen dieser Kirchengemeinde eine geschlossene, fest zusammenstehende Gemeinschaft wurde, deren Zusammenhalt auch noch weit über die Vertreibung hinaus anhielt, war Justs Arbeit zu danken.
Die Beschäftigung mit der Geschichte von Sienno und anderen Dörfern dieses Gebietes leitete dann die äußerst fruchtbare schriftstellerische Arbeit des jungen Pfarrers ein. Diese Arbeit erhielt wachsende Bedeutung, als 1920 die Gemeinde Sienno mit großen Teilen der Provinzen Posen und Westpreußen dem neuen polnischen Staat ging. Als die große Abwanderung aus den abgetretenen Gebieten ins Reich einsetzte, hat Just in dieser Krise des Deutschtums in Westpreußen und Posen durch Reden und Schreiben die seelische Kraft zum Aushalten in der veränderten Welt des neuen polnischen Staates gestärkt. Aus seiner Gemeinde fand daher auch fast keine Abwanderung statt.
Als deutscher Patriot hat Just damals auch im deutschen Volksrat mitgewirkt, der sich im Bromberger Land 1919 gebildet hatte.
Nachdem ihm die polnische Staatsangehörigkeit vom Bromberger Starosten aberkannt war, mußte er aus Verantwortung für sein Amt in der Gemeinde die Ehrenämter in den Deutschtumsorganisationen niederlegen und durfte sich von da an nur noch seinen kirchlichen und schriftstellerischen Arbeiten widmen.
Just hatte die Gabe volkstümlicher Rede und Predigt und eine leichte Feder. Er verfasste mehr als 100 Bücher und Aufsätze. Seine Arbeiten zur Heimatgeschichte und Kirchengeschichte des Landes an Weichsel, Netze und Warthe, die auch auf eigenen Archivstudien beruhten, sind für die Vertriebenen aus diesem Gebiet von bleibendem Wert. Seine Gabe zur praktischen Theologie beweisen mehrere Predigtbände, wertvoll besonders für die kirchliche Arbeit in ländlichen Gemeinden. Heimatkundliche Erzählungen und einfache Gedichte, z.B. „Die polnische Nachtigall‟, füllten auch mehrere Bändchen. Erwähnt werden müssen aber auch die interessanten Reiseberichte aus vielen Ländern. Wenn Just auch bis zuletzt seiner Dorfgemeinde treu blieb, so hat er doch der evangelischen Kirche auch auf höherer Ebene, z.B. im Gustav-Adolf-Werk oder den Synoden, große Dienste geleistet. In seinem Todesjahr hat er der Landessynode der Evangelischen Kirche in Polen die von ihm zusammen mit Generalsuperintendent D. Blau verfasste „Evangelische Haus- und Lebensordnung‟ zur Annahme vorgelegt, die als sein Vermächtnis angesehen werden kann und auch in die Gegenwart hinein wirken sollte.
Er wurde am 1. September 1939 in Sienno mutmaßlich während Unruhen infolge des Überfalls der Wehrmacht auf Polen erschossen. Sein Grab bei der Kirche in Sienno ist nicht mehr vorhanden.

Abgeschrieben und bearbeitet von Jutta Grube am 5. Februar 2020

 

Quellen:
kulturportal-west-ost.eu Biographie Friedrich Just (besucht am 05. Februar 2020)

 

nach oben

 


 

Evangelische Kirchengemeinde Sienno

nav nav
nach oben
Die Inhalte der Website und das Menü sind so umfangreich, dass wir empfehlen, das Querformat zu benutzen.