Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Dobrzyca

Im Jahr 1786 wandten sich die evangelischen Einwohner des Städtchens Dobrzyca und die der in der Umgebung wohnenden Hauländer an das Konsistorium in Fraustadt mit der Bitte, ein neues evangelisches Kirchspiel in Dobrzyca errichten zu dürfen, wozu von Seiten des Besitzers von Dobrzyca, August von Gorzeński, die Einwilligung bereits erfolgt war.

Das Konsistorium erteilte 1797 die Erlaubnis; doch kam das Vorhaben nicht in Gang, weil Dobrzyca zu Koschmin eingepfarrt war und der Besitzer von Koschmin, Feldmarschall Graf von Kalckreuth, gegen die Errichtung einer Pfarrei in Dobrzyca Einspruch erhob. Als die Angelegenheit später wieder vorgebracht wurde, entschied das Königliche Ministerium in Berlin 1799, dass die Errichtung einer besonderen Pfarre in Dobrzyca so lange unterbleiben müsse, als der damalige Pfarrer Faustel von Koschmin am Leben sei. Bald darauf ließ sich Faustel altershalber den Kandidaten Karge als Substituten zur Seite stellen, und nun schloss der damalige Patron von Dobrzyca, General von Gorzeński, mit Faustel eine Übereinkunft, nach welcher dieser schon zu Lebzeiten auf Dobrzyca gegen eine jährliche Entschädigung von 100 Thalern verzichtete. Staatsminister von Massow genehmigte 1803 die Errichtung der neuen Pfarre von Dobrzyca, und Karge trat als erster Pfarrer nach dort über.

Zum Bethaus wurde vorläufig ein alter Gasthof umgewandelt; in diesem musste nachher der Gottesdienst viele Jahre hindurch gehalten werden, weil der im Jahr 1806 hereinbrechende Krieg den Erbherrn an der Erfüllung seines Versprechens, eine Kirche zu bauen, hinderte. Erst nachdem König Friedrich Wilhelm III. der Gemeinde ein Gnadengeschenk von 6.000 Mark gewährte (fast die gleiche Summe brachte die Gemeinde auf), konnte der Kirchenbau begonnen und der Neubau am 6. Juni 1842 eingeweiht werden.

Die Parochie umfaßte ursprünglich nur die Stadt Dobrzyca und die Hausländereien Izbiczno, Strzyszewo, Sosnica, Karmin und Wilcza; später gehörten außer den genannten noch 20 Ortschaften dazu, in denen jedoch nur wenig Evangelische wohnen. Das Patronatsrecht stand dem Dominium Dobrzyca zu. Der Pfarrer erhielt aus Staatskassen ein jährliches Gehalt von 75 Thalern, da die Stelle zu den am geringsten dotierten der Provinz gehörte.

Durch Beschluß von 1876 wurde aus den Ortschaften Koschmin-Hauland, Wykow und Budy (bis dahin zu Koschmin gehörig), ferner Neudorf und Maciejewo (bisher zu Krotoschin gehörig) eine eigene Kirchengemeinde Deutsch-Koschmin-Hauland gebildet und mit der Kirchengemeinde Dobrzyca unter einem Pfarramt vereinigt. Im Jahr 1898 wurde ein Kirchenbau in Deutsch-Koschmin-Hauland vorbereitet, der am 1. Oktober 1903 geweiht wurde.

Das Kirchspiel zählte um 1898 1.714 evangelische Christen und 1937 1.150 Gemeindeglieder.

Abschrift und Bearbeitung des Textes aus Werner/Steffani, Überarbeitung und Ergänzung: Jutta Grube im Dezember 2022

 

Quellen:
Golon, Arnold und Steffani, Johannes: Posener Evangelische Kirche. Ihre Gemeinden und Pfarrer von 1548 bis 1945, 1967
Werner, Albert u. Steffani, Johannes: Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen, Posen 1898, Seite 53 ff.

Artikel in Wikipedia Unierte Evangelische Kirche in Polen (zuletzt besucht am 17.11.2022)

 


 

Evangelische Kirchengemeinde Dobrzyca

nav nav
nach oben
Die Inhalte der Website und das Menü sind so umfangreich, dass wir empfehlen, das Querformat zu benutzen.