Schon im 16. Jahrhundert, als Koschmin (poln. Kożmin) ein Besitztum der der Reformation zugewandten Familie Górka war, fand im dortigen Schloss evangelischer Gottesdienst statt. Im Jahr 1555 hielten hier die Reformierten und böhmischen Brüder eine Synode betreffs einer Vereinigung. Als Ende des 16. Jahrhunderts der Kastellan von Meseritz Andreas Górka starb, und Koschmin an eine katholische Familie überging, wurden die evangelischen Regungen vollständig unterdrückt.
Die evangelische Kirche unter dem Patronat der Besitzer der Herrschaft Koschmin entstand aufgrund einer Genehmigung des Bischofs von Posen von 1775 und einer Stiftungsurkunde von 1777 mit Bewilligung der damaligen Besitzerin von Koschmin, Fürstin Elisabeth Sapieha, welche den in und um Koschmin wohnenden evangelisch-lutherischen Deutschen einen Platz nebst dem erforderlichen Material zur Errichtung eines kleinen hölzernen Schuppens als Bethaus schenkte, gleich aber auch zwei Häuser als Pfarrer- bzw. Lehrerwohnung. Einige Jahre hindurch verwaltete der General-Substitut Karl Benjamin Axt die neue Pfarre, denn erst nach dessen Tod berief die Gemeinde den ersten eigenen Pfarrer Weitzmann. 1846 schenkte König Friedrich Wilhelm IV. Geld zum Neubau eines Pfarrhauses.
Zu südpreußischer Zeit kam die Herrschaft Koschmin in den Besitz des Feldmarschall von Kalkreuth, der dem Pfarrer einen jährlichen Gehaltszuschuß von 150 Mark gewährte, und die südpreußische Regierung gab 100 Mark jährlich hinzu.
1827 wurde anstelle des baufälligen Bethauses eine Fachwerk-Kirche errichtet, welche aber wohl weder in Bezug auf Größe noch Bauart ihrem Zweck entsprach. Es kam also zu einem weiteren Neubau für 63.000 Mark. Unterstützt durch reichliche Zuwendungen wurde die Gemeinde durch die Patronin Frau Rittergutsbesitzerin Böhm in Liegnitz, den Gustav-Adolf-Verein und den Besitzer der zur Parochie gehörenden Herrschaft Radenz, Graf zu Stolberg-Wernigerode. 1881 wurden 15.600 Mark an Baugeld defektiert, was erhebliche Zeitverzögerung bedeutete. Dennoch wurde im Herbst 1881 der Grundstein gelegt und die Kirche genau 2 Jahre später geweiht.
Die ursprünglich sehr ausgedehnte Parochie wurde nach und nach durch Abtrennungen nach Dobrzyca, Krotoschin, Pleschen, Jarotschin und Pogorzela bedeutend verkleinert. Die Kirche stand Ende des 20. Jahrhunderts unter dem Patronat des jeweiligen Besitzers des Gutes Hundsfeld. Um 1898 gehörten 47 Ortschaften und Gutsbezirke, deren evangelische Bewohner sehr zerstreut und zum Teil sehr entfernt vom Pfarrort wohnten.
Die Inhaber der Pfarrstelle in Koschmin haben wegen des überaus geringen Gehalts, der großen Unordnung im Rechnungswesen der Gemeinde und der dadurch hervor gerufenen Unstimmigkeiten auffällig oft gewechselt.
Das Kirchspiel zählte um 1898 2255 und 1937 570 Gemeindeglieder.
Abschrift und Bearbeitung des Textes aus Werner/Steffani, Überarbeitung und Ergänzung: Jutta Grube im Dezember 2022
Quellen:
Golon, Arnold und Steffani, Johannes: Posener Evangelische Kirche. Ihre Gemeinden und Pfarrer von 1548 bis 1945, 1967
Werner, Albert u. Steffani, Johannes: Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen, Posen 1898, Seite 156 ff.
Artikel in Wikipedia Unierte Evangelische Kirche in Polen (zuletzt besucht am 17.11.2022)