Die Stadt Krotoschin (Krotoszyn) ist Stammsitz einer mittlerweile ausgestorbenen angesehenen Familie Krotowski, die sich größtenteils der Reformation zuwandte. Im 16. Jahrhundert gehörte die Stadt der Familie Rozdrarzewski. Johann Rozdrarzewski übergab, nachdem er sich im Jahr 1592 mit einer Leszczynska welche den Böhmischen Brüdern zugetan war, verheiratet hatte, die dortige Hospitalkirche der Unitätsgemeinde. Diese behielt sie aber nur kurze Zeit, denn der genannte Grundherr starb 1601, und seine zweite Gemahlin, die katholisch war, nahm diese für die Katholiken in Beschlag, und ihr Sohn bedrängte die Gemeine auf vielfache Weise. Wenig später war von den Böhmischen Brüdern keine Spur mehr in Krotoschin vorhanden. Die Geistlichen der Böhmischen Brüder waren gewesen: Paul Orlicz der nachherige Unitätsprediger in Posen und Johann Turnowski, Senior und später Pfarrer in Lobsens.
Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Herrschaft Krotoschin Eigentum der königlich preußischen Seehandlungs-Sozietät geworden war und gleichzeitig der Hofgerichtsrat von Husarszewski in Bromberg Erbherr von Krotoschin war, trugen die evangelisch-lutherischen Deutschen, die sich schon seit Mitte des 17. Jahrhunderts besonders von Schlesien aus dort niedergelassen und eine Schule gegründet hatten, bei der Sozietät vor, ihnen bei der Errichtung eines Kirchspiels behilflich zu sein. Mit dafür ein weiterer Grund war wohl die Tatsache, dass die Kirche von Zduny 1789 abbrannte, wohin sie sich bislang gehalten hatten. Nachdem die Fraustädter Synode schon 1788 keine Einwände hatte, schenkte von Husarszewski der Gemeinde den Grund und Boden zu einer Kirche, einem Pfarr- und Schulhaus und die Sozietät ließ für 18.000 Mark eine massive Kirche erbauen, welche Summe wiederzuerstatten die Gemeinde sich verpflichten musste. Der Kirchenbau wurde 1790 vollendet, und Anfang 1792 wurden Kirche, Pfarre und Schule der Gemeinde übereignet. Glocken konnten erst 1818 beschafft werden. Allerdings war die arme Gemeinde nicht im Stande, die Bausumme aufzubringen. Auf wiederholte Bitten und nachdem die Herrschaft Krotoschin eine königliche Domäne geworden war, erließen erst Friedrich Wilhelm II die eine, und später Friedrich Wilhelm III die andere Hälfte der Kirchenbaukosten. Patron wurde der Fürst von Thurn und Taxis, der die Herrschaft Krotoschin 1819 für seine Verluste an Post-Einkünften in der Rheinprovinz als preußisches Thronlehen erhielt.
Im Jahr 1846 wurde ein neues Pfarrhaus erbaut, und die Kirche von 1884 bis 1885 vollständig renoviert und um eine Vorhalle und zwei Türme ergänzt. 1891 errichte die Gemeinde ein Siechenhaus, wofür sie 38 Jahre lang Geld gesammelt hatte. Für die Errichtung einer zweiten Pfarrstelle gab 1875 der König ein Kapital von 12.000 Mark an die Gemeinde.
Die ausgedehnte Parochie umfaßte neben der Stadt, das Schloß Krotoschin, die fürstlichen Vorwerke Baßyn, Benitz, Brzoza, Carlstein, Chwaliszewo II, Dąbrowo, Dzielice, Gorzupia, Kobierno, Lutogniewo, Mathildenhof, Neu Bozaczyn, Neu Vorwerk, Orpiszewo, Raciborowo, Rozdrarzewo, Sophienhöh, Smoszew, Swinkow, Theresienstein, Tomnitz, Ustkow, Ugrzelle und Wrozew und einige fürstliche Förstereien, ferner die Gutsbezirke und Dörfer Konarzewo mit Szerkow, Dzierzanow und Starygrod nebst Biadki, Bozacin, Durzyn, Friedrichsfeld, Jakow, Alt-Krotoschin, Ojusz, Romanow, Rozki, Rozdrarzewo und Trzemesno. Dann gehörten hierher auch die Kolonien Hellefeld, wo monatlich im Schulhaus ein Filialgottesdienst stattfand, Haugfeld, Heinrichsfeld, Rosenfeld und Richtershof.
Das Kirchspiel zählte um 1898 5.168 und 1937 1.137 Gemeindeglieder.
Abschrift und Bearbeitung des Textes aus Werner/Steffani, Überarbeitung und Ergänzung: Jutta Grube im Dezember 2022
Quellen:
Golon, Arnold und Steffani, Johannes: Posener Evangelische Kirche. Ihre Gemeinden und Pfarrer von 1548 bis 1945, 1967
Werner, Albert u. Steffani, Johannes: Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen, Posen 1898, Seite 168-170
Artikel in Wikipedia Unierte Evangelische Kirche in Polen (zuletzt besucht am 17.11.2022)