Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Stara Iwiczna – Filial Błędów

Um 1790 entstanden die Rodungsdörfer Józefów, Przyluski, Chodów und Kazimierz. Die Siedler waren vorwiegend schwäbischer Herkunft, nur in Janki und Wilchelmów hatten sich ihnen auch Einwanderer vom Niederrhein hinzugesellt.

Im Jahr 1839 gründeten sie das Filial Blendow (Błędów), das der Rawaer Pastor zwölfmal im Jahr bediente. Kraft der Schenkungsurkunde vom 7. November 1830 übereignete der Blendower Gutsbesitzer Karl Zagórski den Evangelischen das Bet- und Schulhaus, das auf dem geräumigen Marktplatz neben der römisch-katholischen Kirche lag. Damals zählte das Filial 277 deutsch-evangelische Familien, rund 1000 Seelen.
Doch die Bevölkerung fluktuierte, teils kamen neue Einwanderer, teils zogen die alten wieder fort, so z. B. nach Zyrardów, wo sie in dem Textilwerk von Hille und Dittrich bessere Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten fanden. Der deutsche Bevölkerungsanteil war beträchtlich. So betrug anfangs die Zahl der evangelischen Schulkinder 139, später dann 79. In Blendow soll eine deutsche Schützengilde, eine Handwerkerzunft und ein Gesangverein bestanden haben.Langsam setzte jedoch der Niedergang des Filials ein. Um 1875 wanderten von hier die Evangelischen nach Wolhynien oder in andere Parochien aus. Während die Zahl der Geburten nach 1839 bis auf 114 anstieg, verringerte sie sich vor 1914 bis auf 20 bzw. 30.

Im Ersten Weltkrieg wurden bis auf eine Familie alle Filialmitglieder nach Rußland verbannt. Auch nach deren Rückkehr hielt die Abwärtsentwicklung des Filials weiter an. Neben einem gemischten Gesangchor wurde 1931 auch ein Posaunenchor gegründet. Das Bethaus baute man zu einer Kirche um, wofür auch nach Detroit ausgewanderte Gemeindeglieder einen ansehnlichen Betrag spendeten. Im Jahr 1926 wurde die evangelische Schule und das Filial beschritt den Klageweg. Im Herbst 1930 entschied das Warschauer Höchste Gericht zugunsten des Filials. Im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Glocken von den deutschen Besatzungsbehörden requiriert. Als letzter Lehrer und Kantor war hier bis zuletzt Herbert Badke tätig.

Zum Filial gehörten die Städte Grójec, Mszczonów und 10 Dörfer. In der Kreisstadt Grójec befand sich nur ein kleines evangelisches Kantorat mit 40 Familien (früher 199). An der Hauptstraße der Stadt lag das Bethaus, auch als Schule bis 1918 genutzt. Es wurde 1885 erbaut und fasste etwa 60 Sitzplätze. Die deutsche Schule wurde später in einem neuen Gebäude untergebracht. Der 1928 verstorbene Reinhold Engel wirkte mit großer Hingabe von 1886 bis 1906 als Lehrer und Kantor in seinem Geburtsort Błędów, dann bis 1918 in Łowicz. Gab es noch um 1867 4 deutsch-evangelische Schulen, so blieb von ihnen nach 1918 keine übrig. Das Filial befand sich bereits vor 1939 in fortschreitender Auflösung.

Zum Filial gehörten 1839 1 Kirche, 1 Betsaal und 2 Friedhöf. Die Administratoren waren durchweg auswärtige Pfarrer.
Im Jahr 1923 20 Taufen (davon 11 in polnischer und 9 in deutscher Sprache), 5 Trauungen und 11 Todesfälle.

 

 

Die Pfarrer des Filials Błędów

 

Auswärtige Administratoren

 

Die Kantoren des Filials Błędów

Reinhold Engel, 1886-1906
Lehrer und Kantor in Stara Iwiczna von 1866-1906, anschließend bis 1918 in Łowicz wo er 1918 verstarb.

 

Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971

 

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