1. Die Pfarrer
Julius Adolf Theodor Ludwig, 1829-1835
In Płock am 19. Februar 1808 als Sohn eines jüdischen Schneiders geboren.
Er studierte an der Warschauer Universität und an der theologischen Fakultät der Universität zu Berlin Theologie. In Warschau
machte er die Bekanntschaft des jungen polnischen Philosophen und Mystikers Bronisław
Trentowski, in Berlin waren Schleiermacher und Hegel seine Universitätslehrer.
Nach einer kurzen Zeit als Vikar wurde er Pfarrer in Włocławek 1829—1835. Seine Wahl zum
Pfarrer in Warschau bestätigte das Generalkonsistorium am 12. November 1835,
hier wirkte er als 1. Pastor. Bereits am 30. März 1836 wurde er Mitglied des Konsistoriums
und 1838 Superintendent der Warschauer Diözese. Am 20. Februar 1849 wurde er zum Generalsuperintendenten und Vize-Präsidenten des Konsistoriums ernannt und übernahm damit eine leitende geistliche Funktion in der Evangelisch-Augsburgischen Kirche. Nach seinem Rücktritt amtierte er nur noch bis Oktober 1875 als 1. Pastor der Warschauer evangelischen Gemeinde. Am 24. Oktober 1875 hielt er seine Abschiedspredigt und trat in den Ruhestand. Er verstarb 1876 und war verheiratet in kinderloser Ehe.
Johann Gottlieb Tydelski, 1844-1868
In Dombie am 15. Juli 1817 geboren. Er studierte Philosophie und Theologie in Dorpat 1839—1842 und ordinierte am 5. März 1843. Anschließend wurde er als Vikar in Płock eingesetzt. Pfarrer Tydelski administrierte in Łomża 1843—1844 und übernahm das Pfarramt in Włocławek 1844—1868. Er verstarb am 28. März 1868 und hinterließ eine Witwe und
4 Kinder.
Rudolf Zirkwitz, 1869-1894
Geboren am 10. Juli 1829. Er studierte Theologie in Dorpat 1849—1853 und ordinierte am 20. März 1853.
Er amtierte als Vikar in Mariampol 1853—1854 und in Warschau 1854—1855. Als Pfarrer war er in Wiskitki 1855 bis
1869 und zuletzt in Włocławek 1869—1894, von wo aus der Nieszawa betreute, eingesetzt. Er verstarb am 18. April 1895 und war verheiratet mit Auguste, geb. Wendt. Sein Sohn Theodor Zirkwitz war Pfarrer in Białystok.
Ernst Julius Filtzer, Administrator 1896-1917
Geboren am 25. Oktober 1866 in Warschau, studierte er Theologie in Dorpat 1886—1890 und ordinierte am
30. November 1890. Pastor Filtzer war Vikar in Warschau und Pfarrer in Michałki 1891—1895, außerdem Administrator in Rawa
1895. Die Pfarrstelle in Włocławek und das Amt des Administrators von Nieszawa übernahm er 1896—1917. Nachdem er 1917 aus
dem Warschauer Konsistorialbezirk ausgeschieden war, amtierte er in Brunndöbra/Vogtl.
1917—1918. Ab 1919 war er an der evang.-luth. Heiligen-Geist-Kirche in Danzig und in Neuendorf/
Erzgeb. 1927—1931 eingesetzt. Er verstarb am 29. Dezember 1932.
Theodor Hugo Wosch, 1918-1938
Am 9. November 1870 als Sohn des Lehrers und Kantors Adolf Heinrich Wosch geboren.
Er studierte Theologie in Dorpat und ordinierte am 24. März 1895. Nach seiner Vikariatszeit
übernahm er das Pfarramt in Gostynin 1897—1898 und in Żyrardów 1898—1918. In den Kriegsjahren
1914—1918 war er zusätzlich erster stellv. Pastor in Warschau. Außerdem war er Vertreter
der Evang.-Augsb. Kirche in der Staatsratskommission für Kultus und Unterricht 1917-1918.
In Włocławek war er als Pfarrer 1918—1938 tätig und ab 1932 Superintendent der Diözese Płock bis 1938.
Pfarrer Wosch verstarb am 12. August 1938 und wurde in Włocławek beerdigt. Er war verheiratet in kinderloser Ehe mit
Hedwig, geb. Angerstein.
Helmut Prüfer, Administrator 1938-1939
Geboren am 3. August 1913. Er studierte Theologie in Warschau und ordinierte am 25. Oktober 1936.
Und war anschließend als Vikar in Turek 1936—1938 tätig. Er administrierte in Włocławek 1938—1939 und in Mościce (Neudorf
am Bug) 1940. Während des Krieges dienste er zeitweise in der Wehrmacht
Nachdem er 1949 nach Kanada auswanderte wurde er Pfarrer in Kitchener, Ontario, wo er die von ihm erbaute Kirche
am 23. Juni 1963 einweihen konnte. Pfarrer Prüfer war verheiratet mit Ida, geb. Roßnagel, 3 Kinder.
Friedrich Oskar Berthold, 1939-1945
In Koło an der Warthe am 21. Juli 1903 geboren, studierte er Theologie in Warschau, Erlangen und Berlin und wurde am 17. März 1929 in Zgierz ordiniert. Als Vikar wurde er in Pabianice 1920—1931 eingesetzt. Danach übernahm er das Pfarramt in Nieszawa 1931—1939 und anschließend den Posten des 2. Pfarrers in Włocławek 1939—1945. Nach 1945 amtierte er in Arnstadt/Thür. 1947—1949 und ab 1949 in Kistritz, Krs. Weißenfels. Verheiratet gewesen in erster Ehe mit Alexandra, geb. Teschner, eine Tochter.
Rudolf Reinhold Henke, 1940-1945
Am 13. März 1893 in Dermanka als Sohn des Eduard Henke und Christine, geb.
Neumann, geboren. Er besuchte das Zedelmannsche Gymnasium in Dorpat und studierte
dort, in Halle und in Berlin Theologie und ordinierte am 4. November 1923. Anschließend wurde er als Vikar in Pabianice
1923—1924 eingesetzt und übernahm das Pfarramt in Rozyszcze 1924—1939.
In den Kriegsjahren 1940—1945 wirkte er als erster Pfarrer und Superintendent in Włocławek.
Nach 1945 amtierte er von 1945—1947 als Oberpfarrer in Allstedt/Thür. und 1947—1960
in Droyssig, Krs. Zeitz, bzw. von 1951—1960 als Superintendent. Pfarrer Henke verstarb am 10. Mai
1961 und wurde in Nieder-Beerbach bei Darmstadt beerdigt. Er war verheiratet mit Edith, geb. Schmidt, Tochter des
Pfarrers Rudolf Schmidt in Pabianice, 5 Kinder.
Emil Dawid, Administrator 1945-1946
Geboren am 7. April 1907 in Utrata bei Łask als Sohn des Albert Dawid und Anna, geb.
Gwiazdowska. Er studierte Theologie in Warschau 1930-1935 und ordinierte am 17. November 1935. Er übernahm das Amt des Vikars in Tschenstochau 1935-1939. In den Jahren 1939-1945 war er als Arbeiter beschäftigt.
Nach Kriegsende verwaltete er Włocławek, Lipno und Gostynin. 1946—1951 bediente er von Gizycko aus 24 evangelische Restgemeinden im Masurenlande. 1951 kehrte er nach Włocławek zurück und verwaltete noch Kutno, zeitweilig auch Lipno, Płock, Rypin und Gostynin. Er verstarb am 6. September 1963 und war verheiratet mit Klara, geb. Otto.
2. Die Vikare
Karl Joseph Jonscher, 1836-1837
Geboren in Płock am 4. März 1809. Er studierte Theologie in Dorpat 1832—1836 und war anschließend Vikar in Włocławek
1836—1837. Das Pfarramt in Lublin übernahm er 1838—1884. Pfarrer Jonscher verstarb am 6. Januar 1887 in Łódź und wurde auf dem evang. Friedhof in Lublin beigesetzt. Seine Tochter Marie war mit dem späteren Generalsuperintendenten Karl Gustav Manitus verheiratet.
Kurt Alexander Mergel
In Łódź am 2. Mai 1911 als Sohn des Pfarrers Ferdinand Mergel in Sobiesenki geboren.
Er studierte Theologie in Warschau und ordinierte am 18. November 1934. Als Vikar war er in Włocławek und als
Pfarrer in Poddembice 1938—1939 tätig. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er inhaftiert
und am 6. September 1939 in Helenówek bei Zgierz vom polnischen Militär erschossen. Pfarrer Mergel war verheiratet mit Margarete, geb. Weckwerth, 2 Töchter
Quellen:
Kneifel, Eduard: Die Evangelisch-Augsburgischen Gemeinden der Kalischer Diözese, Plauen im Vogtland 1937
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971