Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Lipiny – Wola Młocka

Das pommersche Dorf Lipiny wurde um 1820 gegründet. Die Kolonien Wola Młocka und Płociszewo wurden erst um 1860 angelegt. Sie gehörten anfänglich zum Kirchspiel Przasnysz. Da aber ihre Entfernung zum Pfarrort 20 km und mehr betrug, was deren religiöse Betreuung sehr erschwerte, entstanden ernste Spannungen und Differenzen zur Muttergemeinde. Die Opposition äußerte sich im Widerwillen der Eingepfarrten zur Zahlung der Kirchensteuern, in schärferer Form sogar im Vollzug der Taufen und Trauungen durch römisch-katholische Geistliche. Auf Grund dieser Umstände ordnete 1837 das Warschauer Generalkonsistorium die Gründung des Filials in Lipiny an. Durch diese Maßnahme normalisierten sich die Verhältnisse auch wenn Lipiny galt im 19. Jahrhundert als Sammelbecken verschiedener Sekten galt.
Im Laufe der Jahrzehnte empfand man im Filial die Notwendigkeit der Erstellung einer Kirche. Wola Młocka, wo die Mehrzahl der Filialmitglieder ansässig war, und Lipiny rivalisierten miteinander um den Bauort der neuen Kirche, um so mehr als das alte baufällige Bethaus den Bedürfnissen nicht mehr genügte. Man einigte sich schließlich auf Wola Młocka, wo auf dem höchstgelegenen Platz der Umgebung eine Kirche im gotischen Stil für etwa 1.000 Personen errichtet wurde. Sie wurde am 8. Juni 1914 unter Assistenz der Pastoren Ernst, Nowy Dwór, und Gloeh, Warschau, eingeweiht. Letzter verwaltete damals das Filial Lipiny. Durch den Bau der Kirche in Wola Młocka, die für alle Filialmitglieder bestimmt war, nannte man fortan das Filial als das zu Lipiny-Wola Młocka. Die Anregung zum Kirchbau gab Administrator Ernst, während sich für dessen Realisierung Lehrer und Kantor Utta eingesetzt hatte.

Bis zum Ersten Weltkrieg zählte das Filial sechs deutsche Schulgemeinden: Wola Młocka, Lipiny, Płociszewo, Kondrajec, Grabowiec und Wola Wodzyńska. Sie alle wurden nach 1918 bis auf Wola Młocka an polnische Schulen angeschlossen.
Im Jahre 1918 kehrten zahlreiche Kolonisten aus russischer Verbannung während des Ersten Weltkrieges zurück. Sie waren besonders durch ihr Bemühen, schlicht und mäßig zu leben gekennzeichnet. Rauchen, Trinken und Tanzen waren verpönt. Selbst auf Hochzeiten soll weder Alkohol genossen noch getanzt worden sein. Diesem Vorbild soll mit wenigen Ausnahmen die ganze Gemeinde gefolgt sein. Ab 1. April 1933 wurde das Filial verselbständigt. Pastor Friedrich Arlt gelang es nicht, den 1931 zur luth. Freikirche übergetretenen Gemeindeteil (bes. in Płociszewo), den Pfarrer Lerle bediente, zurückzugewinnen und die Spaltung zu beheben.

Im Jahr 1936 unterhielt die Gemeinde 6 Kantorate: Wola Młocka, Lipiny, Płociszewo, Wola Wodzyńska, Lipowiec und Kondrajec Szlachecki sowie 10 Friedhöfe.

Im Jahr 1913 gab es 650 Kommunikanten, im Jahr 1923 derer 698 und 1936 hatte die Kirchengemeinde 2.500 Seelen.

 

Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971

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Evangelische Kirchengemeinde Lipiny – Wola Młocka

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