Die Seelenlisten des Kirchspiels Schnellwalde umfassen drei Jahrgänge, nämlich 1844, 1845 und 1854. Die einzelnen Dörfer des Kirchspiels sind nach ihrer Zugehörigkeit zu den Schulsozietäten geordnet, wobei es insgesamt sechs Schulstandorte gab, die eine recht unterschiedliche Anzahl von Dörfern und Gutsbezirken abdeckten.
Durch das polnische Staatsarchiv Allenstein (Olsztyn) wird die Quelle 80/5 – Evangelische Kirche zu Schnellwalde (Kościół Ewangelicki w Borecznie) – Seelenlisten des Kirchspiels Schnellwalde (Übersicht) digitalisiert und online zur Verfügung gestellt.
Quellenbeschreibung:
Die Personenlisten für jeden Ort innerhalb einer Schulsozietät sind durchnummeriert, teilweise durchgehend für alle Orte, teilweise jedes Mal mit „eins“ beginnend. Am Ende wird die Gesamtzahl der Personen für jede Schulsozietät summiert. Dabei kann es allerdings durchaus Abweichungen zur tatsächlichen Personenzahl geben, weil z.B. in einigen Fällen Personen nachträglich in die Liste zwischen zwei Zeilen eingefügt worden sind, die bei deren Erstellung offensichtlich vergessen wurden.
Innerhalb eines Dorfes sind die Listen nach Haushalten geordnet, beginnend mit dem Haushaltsvorstand – in der Regel der Ehemann, manchmal auch verwitwete Frauen – gefolgt von der Ehefrau, bei der meistens auch ihr Mädchenname angegeben ist, und den noch im Haushalt lebenden Kindern. Für den Ehemann wird in der Regel der Stand oder der Beruf angegeben, z.B. Instmann, Schmied, Rittergutsbesitzer usw. Für die übrigen Haushaltsmitgliedern wird dann die familiäre Beziehung zum Haushaltsvorstand angegeben, also Ehefrau, Sohn oder Tochter, aber z.B. auch Schwager, Bruder bzw. Schwester oder Stief- und Pflegekinder. Eltern oder Schwiegereltern, die möglicherweise noch mit auf dem Hof oder im selben Haus leben, bilden in der Regel einen eigenen Haushalt; sie werden meistens als Altsitzer oder Altsitzerin bezeichnet, manchmal auch als Köllmerwitwe o.ä. Anschließend an die (Kern-)Familie werden weitere unverheiratete und im Haushalt lebende Personen aufgeführt, meistens Mägde oder Knechte. In einigen Orten sind die Haushalte auch durchnummeriert.
Für die meisten Personen wird das Alter angegeben (bei einigen Orten eher lückenhaft), ihre geistige oder körperliche Verfassung (in der Regel „vollsinnig“, manchmal aber auch „blind“, „blödsinnig“ oder „taubstumm“) und die Konfession, sofern die Person nicht evangelisch ist.
Die Schreibung der (Nach-)Namen variiert je nach Schreiber mehr oder weniger stark, der gleiche Name kann vom selben Schreiber im selben Dokument sowohl innerhalb eines Wohnortes als sogar innerhalb einer Familie unterschiedlich geschrieben worden sein. Besonders betroffen sind davon vier Phänomene, nämlich einmal die Buchstaben(-kombinationen) s/ z/ sz/ sch (Beispiele: Sweika – Schweika, Mitzkowski – Mytschkowski, Szyrszyn – Szerschin, Kersnik – Kerschnig), dann i/y (Wittwald – Wyttwald, Bogdanski – Bogdansky) und w/v/ff (Gave – Gawe, Leffke – Levke – Lewke) sowie die Schreibung mit oder ohne Endvokal (Gaaw – Gawe, Hopp – Hoppa)
Wir freuen uns, dass unser AGoFF-Mitglied Wiebke Vörtmann, diese Listen in Datentabellen überführt hat. Die erfassten Datensätze stehen nun den Mitgliedern in durchsuchbarer Form zur Verfügung. Bisher ausgewertet wurden:
- 42/80/5 – „Seelenlisten des Kirchspiels Schnellwalde”.
Jahrgänge: 1844, 1845 und 1854
Flensburg, den 04. Juli 2024.
Wiebke Vörtmann
Kontakt
Hier kann nach Familiennamen gesucht werden:
Auswertung
Die drei Jahrgänge der Seelenlisten sind in eine gemeinsame Excel-Tabelle übernommen worden (1854 noch unvollständig). Ein Personendatensatz besteht dabei aus dem (Sortier)-Namen sowie möglichen Namensvarianten, dem oder den Vornamen und den aus den jeweiligen Altersangaben errechneten Geburtsjahren.
Dann folgt der Stand bzw. Beruf jeweils separat für die Jahre 1844, 1845 und 1854, ebenso wie der Wohnort (jeweils 1844, 1845, 1854) und die zum Wohnort gehörende laufende Nummer (jeweils 1844, 1845, 1854). Abschließend folgen – so vorhanden – Bemerkungen zur Konfession und zur geistigen bzw. körperlichen Verfassung der Person sowie zu möglichen Problemen bei der Transkription.
Bevölkerungsstatistik
| Bevölkerungsstatistik | |||
| Schulsozietäten und dazugehörige Orte | 1844 | 1845 | 1854 |
| Schulsozietät Groß Karnitten, gesamt lt. Quelle |
503 | 487 | |
| - Groß Karnitten, Gutsbezirk | 108 | 118 | |
| - Klein Karnitten, Gutsbezirk | 142 | 142 | |
| - Nosewitz, adel. Dorf (zu Karnitten) | 55 | 57 | |
| - Skulten, adel. Dorf | 93 | 92 | |
| - Schönaich, adel. Dorf (zu Karnitten) | 96 | 90 | |
| Schulsozietät Groß Karnitten, gesamt tatsächlich |
494 | 499 | |
| Schulsozietät Weepers, gesamt lt. Quelle |
293 | 304 | |
| - Weepers, kgl. Dorf | 207 | 220 | |
| - Pomehlen, adel. Gut, Dorf und Vorwerk - (Besitzer zu Frödenau) |
86 | 84 | |
| Schulsozietät Weepers, gesamt tatsächlich |
293 | 304 | |
| Schulsozietät Kerpen, gesamt lt. Quelle |
304 | 324 | |
| - Kerpen | 135 | 196 | |
| - Kerpen Vorwerk | 52 | - | |
| - Gablauken | 84 | 84 | |
| - Ulpitten | 38 | 46 | |
| Schulsozietät Kerpen, gesamt tatsächlich |
309 | 324 | |
| Schulsozietät Auer, gesamt lt. Quelle |
323 | 349 | |
| - Auer | 252 | 259 | |
| - Wilhelmswalde (Vorwerk) | 46 | 41 | |
| - Chmilowken (Vorwerk) | 4 + 21 | 4 + 0 | |
| Schulsozietät Auer, gesamt tatsächlich |
323 | 304 | |
| Schulsozietät Schnellwalde, gesamt lt. Quelle |
588 | 661 | |
| - Schnellwalde Vorwerk/ Gut | 162 | 160 | |
| - Schnellwalde | 125 | 121 | |
| - Herrlichkeit | 41 | 34 | |
| - Albrechtswalde | 86 | 82 | |
| - Adlig Schliewe | 71 | 63 | |
| - Königlich Schliewe | 78 | 75 | |
| - Leissnersberg | 28 | 23 | |
| - Pieklo | 15 | 14 | |
| - Skittlauken | 82 | 68 | |
| - Kragge Krug | 0 | 23 | |
| Schulsozietät Schnellwalde, gesamt tatsächlich |
688 | 663 | |
Evangelische Kirchengemeinde Schnellwalde
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