Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Kalisch

Der römische Historiker Caius Plinius d. J. erwähnt in seiner „Historia Mundi‟ im i. Jahrh. n. Chr. den Ort „Calisia‟. Ebenso nennt ihn im 2. Jahrh. der griechische Geograph Claudius Ptolomäus aus Alexandrien. Die sogen. Bernsteinstraße (Handelsstraße) führte vom Süden zur Ostsee über Kalisch, der ältesten Stadt Polens. Jahrhundertelang beherbergte sie deutsche Bürger; auch war sie von einem Kranz deutscher Dörfer umgeben. Im 16. und 17. Jahrh. bestanden im Kalischer Lande zahlreiche reformierte Gemeinden. Bis auf Zychlin bei Konin gingen alle kalvinischen Parochien wieder ein.
Den aus dem 17. oder gar schon 16. Jahrh. stammenden und auf einer Anhöhe liegenden evangelischen Friedhof in Kalisch wurde seit altersher „lutherischer Berg‟ geannnt. Am 26. September 1790 erhielten ihn die dort ansässigen Evangelischen wieder zurück.

Im Jahr 1793 fiel die Stadt an Preußen. Es wanderten in sie evangelische Militärpersonen, Kaufleute, Handwerker u. a. ein, für die am 3. September 1795 die „Konzession zur Errichtung eines eigenen evangelischen Kirchensystems zu Kalisch‟ erteilt wurde. Zum Pastor berief man Karl Michael Christian Sienell. Papst Pius VI., bei dem die preußische Regierung vorstellig geworden war, überließ am 27. August 1797 den Kalischer Evangelischen die seit 1773 leerstehende Jesuitenkirche. Am 1. Pfingstfeiertag 1798 weihte Pastor Sienell das Gotteshaus nach evangelischem Ritus ein. In die neue Parochie wurden außer Kalisch noch Opatówek, Dęby, Koźminek und vorübergehend auch Sieradz eingemeindet. 1798 verlegte man das südpreußische Konsistorium aus Petrikau Tryb. nach Kalisch.

Von 1798-1810 leitete als Rektor die Kalischer evangelische Schule Pastor Karl Gottlieb Bartsch. Im Jahr 1826 erwarb das Kirchenkollegium ein geräumiges Haus a. d. Piekarska-Str. mit Lokalitäten für die evang. Schule sowie Wohnungen für Pastor, Vikar, Lehrer, Küster und Glöckner. 1834 erfolgte die Umwandlung der Schule in eine Elementarschule, an der die Lehrer Schröter, Rasch, Ecke und Förster tätig waren. Im Jahr 1857 entstand der evangelische Gesangchor.

Vier Jahrzehnte wirkte hier Pastor, Sup. und Konsistorialrat von Modl (gest. 1860). Zu seiner Zeit, und zwar am 20. November 1858, baten mehrere Kalischer Gemeindeglieder das Konsistorium um Einführung polnischer Gottesdienste jeweils am 2. oder 3. Sonntag des Monats. In Berücksichtigung dieses Ersuchens wurden polnische Gottesdienste nach dem 1. des Monats vormittags und am 1. Weihnachts- und Osterfeiertag nachmittags sowie Beicht- und Abendmahlsfeiern am Gründonnerstag gehalten. In den Jahren 1877 und 1882 wurde die Kirche renoviert die Kirche.
Im Jahr 1903 hielt Pastor Eduard Heinrich Wende zum 1. Male die Konfirmation auch in polnischer Sprache. 1906 wurde der Gesangchor als „Kalischer Gesangverein‟ als Verein eingetragen. Am 1. Januar 1907 wurde das Kantorat Koźminek von Kalisch getrennt und an das nähergelegene Prażuchy angegliedert. 1908-1909 wurde unter Pastor Wende das Greisenheim errichtet. Die Gemeindeversammlung vom 1. Dezember 1912 beschloß, das alte Pfarrhaus zu veräußern und ein neues a. d. Niecalastr. Nr. 8 zu errichten. Es wurde am 8. September 1913 eingeweiht. Namhafte Spenden zu den Baukosten wurden u. a. vorn früheren Kalischer Industriellen Emil Repphan, zuletzt in Berlin, aufgebracht. In den Augusttagen 1914 des Ersten Weltkrieges wurde Kalisch von den deutschen Truppen stark zerstört. Durch die Verlegung der Grenze verlor es nach 1918 seine frühere wirtschaftliche Bedeutung. Im Jahr 1922 wurde die Kirche renoviert und 1930 drei neue Glocken an Stelle der im Kriege requirierten angeschafft.

In den Jahren 1915-1918 und 1919-1924 war Pfarrer Wende Vorsitzender des Kalischer Stadtrats. Seit 1915 bekleidete er auch das Amt des Superintendenten der Kaliseher Diözese. Von 1929 an besaß die Christliche Gemeinschaft einen neuen eigenen Saal a. d. Mariariskastr. Nr. 4. Ihr gehörten ein Jugendbund E. C., eine Sonntagsschule und ein Gesangchor an. Am 4. Dezember 1932 beging der Kalischer Gesangverein sein 75jähriges Jubiläum. Am 5. Februar 1939 weihte Pastor Wende das neuerbaute Haus des Evangelischen Gesangvereins ein. Um den Bau hatte sich der Industrielle Theodor Müller verdient gemacht. Nach 1945 übernahm die katholische Kirche die evangelische Kirche in ihren Besitz.

 

 

Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971

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Evangelische Kirchengemeinde Kalisch

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