Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Wyszogród

Schwaben aus Württemberg und Schlesier, die weichselwärts in die Niederungen, vornehmlich in der zweiten Hälfte des 18. Jh. vordrangen, besiedelten im weiten Umkreis die Dörfer um Wyszogród. Außer Wyszogród, a. d. Mündung des Bzura-Flusses in die Weichsel gelegen, erfaßte die Kolonisationsbewegung noch die Städte Bodzanow, Czerwinsk und zahlreiche Dörfer. In den 60er Jahren des 19. Jh. gab es nur 17 von Evangelischen geschlossen bewohnte Kolonien, von denen die wichtigsten waren: Śladów, Königsdorf-Wiciejewo, Raków, Kępa Niemiecka, Drwały, Bulkowo und Boguszyn. Während die Schlesier a. d. Weichsel von den Iłower Pastoren bedient wurden, war die religiöse Versorgung der vom Fluß entfernt wohnenden Schwaben („der auf der Höhe‟) schlecht. Im Jahr 1805 gründete der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Gemeinde Wyszogród. Als Gotteshaus erhielt sie die ehem. Franziskanerkirche. Mangels eines Pfarrhauses wohnten die Prediger anfangs zur Miete, d.h. sie erhielten Wohnungsgeld jährlich (später 300 Złoty) und suchten sich ein Quartier in den Wyszagróder Bauernhäusern. Zum Unterhalt des Gemeindewesens bestimmte die Regierung aus den Einnahmen der kgl. Ämter Sielec und Mąkolin 96 Taler und 41 Gr und aus der Kämmereikasse zu Wyszogród 30 Taler jährlich. Statt der erwähnten Beihilfen zahlte die Krone im Jahr 1858 25 Rubel jährlich an die Gemeinde und letztere brachte 45 Rubel auf. Außerdem dotierten die preußischen Behörden die Pfarre mit 4 Magdeburger Hufen Land.
Auf die beiden ersten Pastoren — Christian Mielke und Ignatius Karl Wilhelm Boerner — folgte 1837 Pfarrer Wilhelm Alberti. Er erfreute sich keines guten Leumundes, worüber sich in den Akten des Konsistoriums Berichte finden sollen. Darum wollte ein beträchtlicher Teil der Eingepfarrten seine Berufung nach Wyszogród verhindern. Trotzdem wählte ihn die Mehrheit des Kirchspiels auf einer stürmisch verlaufenen Parochialversammlung. „Alte Gemeindeglieder entsinnen sich seiner noch gut als eines strengen Mannes, der seine Gemeinde mit fester Hand leitete.‟ Zu seiner Zeit wurde 1843 das steinerne Pfarrhaus errichtet. 1847 erhielt die Kirche einen neuen Dachstuhl. Die beiden Filialen Secymin und Płońsk wurden von Wyszogród getrennt, was die religiöse Betreuung der räumlich großen Parochie erleichterte.
Im Jahr 1807 übernahm Pastor Edmund Alberti das Wyszogróder Pfarramt. In aller Stille und Treue tat er hier trotz jahrzehntelanger Kränklichkeit seinen Dienst. Im Gegensatz zu seinem Vater war er sehr beliebt und geschätzt. Durch Auswanderung nach Wolhynien und das Innere von Rußland verlor das Kirchspiel zahlreiche Glieder. In mehreren Kolonien, deren deutsche Bauern ihre sichere Existenz mit einer ungewissen Zukunft in den Weiten des Ostens vertauschten, gingen blühende Wirtschaften von zwei bis fünf Hufen in andere Hände über. Viele der Auswanderer — so hörte man später — haben den übereilten, unbedachten Schritt bereut. Edmund Albertis Nachfolger, Pfarrer Peter Hodel, mußte nach dreijährigem Wirken als österreichischer Staatsangehöriger die Parochie und das russische Reich verlassen. Die näheren Gründe dieser Maßnahme sind bisher unbekannt. Im September 1905 beging die Parochie das 100jährige Jubiläum ihres Bestehens. Im Ersten Weltkrieg wurden vier Bethäuser zerstört, andere beschädigt und geplündert. Von den 2000 Gemeindegliedern wurde das Gros bis auf 350 Personen nach Rußland deportiert. Der dänischgesinnte reichsdeutsche Pfarrverweser Lousen verwaltete Wyszogród und die ihm angeschlossenen, gleichfalls durch die Deportation dezimierten Filialen Secymin und Płońsk. Im August 1918 besuchte der damalige Generalgouverneur von Beseler die Gemeinde Wyszogród. Sie war die einzige in der augsburgischen Kirche, der er einen Besuch abstattete. 1930 war Michael Bleich aus Gniewniewice 40 Jahre Kirchenvorsteher. In der Schwabenkolonie Königsdorf war seit 1937 Lehrer und Kantor Bomert tätig.

Quellen:
Heike, Otto: 150 Jahre Schwabensiedlungen in Polen 1795 – 1945, 4. Aufl., Mönchengladbach 1991
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971
ohne Angabe: Wyszogród, in Hausfreund Volks-Kalender für das Jahr 1907, XXVIII Jahrgang, Warschau 1907, S. 73-77

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Evangelische Kirchengemeinde Wyszogród

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