Erfasst und bearbeitet von Gertrud Stumpf
Eine bedeutende Quelle zur Herkunft der um 1800 in der damals preußischen Provinz Südpreußen angesiedelten reichsdeutschen Kolonisten bilden die von dem Königlich preußischen Hauptmann (Kapitän) Friedrich Magnus von Nothardt (1766–1804), der damals mit der Kolonistenwerbung betraut war, angelegten Listen. Diese sind in seinen Handakten überliefert, die sich als Nachlass Nothardt im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin befinden (GStA PK, VI. HA, NI Nothardt, F. M. v., Nr. 3: „Special- und Generallisten der nach Suedpreussen eingewanderten Reichscolonisten 1802/1804‟, unfoliiert).
Die Forschungsstelle Mittelpolen der AGoFF hat davon Ende 2007 Digitalisate erworben, insgesamt von rund 183 Doppelseiten mit ausführlichen Angaben zu den Kolonisten, ihren Familien sowie deren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen aus dem Zeitraum von März 1802 bis Juli 1804. Wir haben uns entschlossen, diesen Datenbestand für den Mitgliedern der AGoFF zu zugänglich zu machen. Die Erschließung des Datenbestandes ergab 5.222 Personendatensätze. Bei der Datenerfassung wurde gemeinsam mit unserem IT-Partner eine Möglichkeit entwickelt, zusammenhängende Personengruppen, so insbesondere Familien, auch als solche kenntlich zu machen.
Zur Person
Friedrich Magnus (seit 6. 7. 1798: von) Nothardt, geb. 1766 in Karlsruhe, gest. 28. 12. 1804 Berlin, war Sohn eines württembergischen Pfarrers. Er schrieb sich 1784 zunächst als Student der Mathematik in Tübingen ein, trat dann aber in preußische Militärdienste und brachte es hier bis zum Hauptmann: 1788 Sekondleutnant beim Feldartilleriekorps, 1795 Stabskapitän beim Infanterieregiment Nr. 57 und 1800 dort Kapitän (Hauptmann) und Kompaniechef. Ab 1792 war er Freimaurer. Nebenbei soll er sich mit dem Kameralfach beschäftigt haben, seit den neunziger Jahren befasste er sich intensiv mit dem Kolonisationswesen und leitete in der Zeit von 1798 bis Ende 1804 die Anwerbung von Kolonisten für das Departement Südpreußen. 1799 legte er einen „Plan zur Gewinnung von Kolonisten im Reich vor, nahm selbst Anwerbungen in Süddeutschland vor, unterbreitete im Frühjahr 1800 dem Kabinett eine Denkschrift über die Kolonisten-Frage‟ (Straubel). „Ab 1800 war Nothardt als Werbeoffizier in Süddeutschland tätig, wo er ein festes Werbungsbüro unterhielt, zunächst in Öhringen bei Heilbronn, ab 1804 in Crailsheim (Ansbach)‟ (GStA-Findbucheinleitung). Im Herbst 1801 erstattete er einen Hauptbericht über das Kolonisten-Werbegeschäft, „wurde im Jan. 1802 aufgefordert, selbst nach Südpreußen zu gehen und sich über die Ansetzung der Kolonisten zu informieren‟ (Straubel). Aufgrund seiner erfolgreichen Durchführung der Siedlerwerbung wurde er am 26. November 1804 als Major bzw. Stabs-Capitain und Ritter des Verdienstordens verabschiedet, um Kammerdirektor in Kalisch (Kabinettsorder vom 1. 9. 1804) zu werden, doch verstarb er bereits am 28. Dezember 1804 in Berlin. Nothardt „hinterließ seine Mutter, deren einziges Kind er war; stand kurz vor der Heirat mit einem Fräulein Henriette Blumenthal aus Berlin‟ (Straubel).
Literaturhinweise:
Bussenius, Charlotte Ingeburg: Die preußische Verwaltung in Süd- und Neuostpreußen 1793–1806 (Studien zur Geschichte Preußens Bd. 6), Heidelberg 1960, S. 123, 282–293.
Straubel, Rolf: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. T. 2: Biographien M – Z. München 2009, S. 695: (Art.) Friedrich Magnus (von) Nothardt.
GStA-Findbuch-Einleitung
Kontakt: Gertrud Stumpf
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