In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde durch den Starosten Kosowski in Kłodawa die Siedlung Dębina gegründet. Stypin Hol. etablierte sich 1760, Przysypka 1776. Der Starost von Przedecz, Jakob Sigismund Kretkowski, schloß 1781 mit den Kolonisten einen Ansetzungsvertrag, den er am 1. März 1788 erneuerte. Zur Schule und zum Friedhof schenkte er 15 Morgen Land. Am 16. Juni 1788 wurde dieser Vertrag durch König Stanislaus August von Polen bestätigt. Nach dieser Urkunde bestimmte König Stanislaus August das „mit Strauch und Wald verwachsene zu Unserer gedachten Starostey gehörige so genannte Dorf Nowawieś-Neudorf dem Ehrbaren Schultzen Michael Harmel und der ganzen Gemeinde . . Ein jeder Wirt soll nehmlich dreißig gewöhnliche mit einer sieben und eine halbe Elle enthaltenen Ruthe abgemessene Morgen haben, und von diesen auch wenn er sie nicht ganz ausgerodet hat, auf Sankt Martini zu zwey Gulden poln. zahlen‟. Weiter heißt es noch dort „Zur Schule und dem Kirchhof sollen sie ohne Zahlung und Abgaben fünfzehn Morgen haben‟. Nach der Ansetzungsurkunde vom 14. Juli 1855 bevollmächtigte Marie Miączyńiska geb. Słubicka, Besitzerin der Güter Izbica, ihren Ehegatten Mieczysław Miączyńiski zum Abschluß eines Vertrages mit den im Bereich der erwähnten Güter anzusiedelnden Kolonisten. Nach der zweiten Urkunde aus dem Jahr 1861 wurden zum Unterhalt des evangelischen Lehrers von Mieczysławow 4 Morgen Land bestimmt (davon 0,5 Morgen zum Friedhof). In beiden Urkunden wurden die Kolonisten auch zu Naturalleistungen für die römisch-katholische Propstei in Modzerowo verpflichtet. Als Ansiedler werden u. a. genannt: Gottlob Schinke, Gottlieb Krieger, Johann Policki, Daniel Matz, Gottlob Litke, Gottfried Liedke, Gottlieb Tonn, Ludwig Nikel.
Zur Förderung der Industrialisierung überließ in den Jahren 1820-1823 die damalige Regierung staatliches, in der Nähe der Stadt gelegenes Land eingewanderten deutsch-evangelischen Tuchmachern und Handwerkern. Es waren dies u. a. die Tuchmacher Martin Glokzin, Johann Steinke, Johann Fennig, Christian Winkler, Christoph Radke, Gottlieb Kühn, Friedrich Traun, Gottlieb Lipski, Johann Stegmann, August Otto, Gottlob Kühn, Gottfried Moge, Anton Kolb, Michael Schendel, Anton Krentz, Johann Birkner, Martin Behlke, Johann Christoph Karpowski, Johann Lange, Karl Samuel Konrad, Gottfried Arndt, August Heinrich Arndt, Johann Wilhelm Werner, Karl Philipp Pfeiffer, Christian Winkler, Johann Fribus, Martin Fribus, Friedrich Tetzlaf, Gottlieb Belter, dem Färber August Ferdinand Kleindienst und den Handwerker Johann Stark, Wilhelm Fibig, Johann Heinrich Sander, Johann Schinkler, Karl Krüger, Johann Janke, Friedrich August Regel, Johann Wegner u. a.; sowie dem Apotheker Karl Kramer und dem Kaufmann Johann Kühn.
Vor der Konstituierung der Parochie konzentrierte sich der religiöse Mittelpunkt der deutschen Kolonien in Groß Neudorf.
Kaiser Alexander I. schenkte der evangelischen Bevölkerung von Przedecz zum Bau einer Kirche den Platz und die Ruinen der von den Ordensrittern errichteten Moosburg, die später als Starosten-Schloß benutzt wurde. Jakob Sigismund Kretkowski hatte neben dem Schloß einen Turm errichtet. An diesen Turm, der seit den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts als Glockenturm Verwendung fand, wurde die evang. Kirche zu Przedecz in der Zeit von 1824-1828 angebaut. Gleichzeitig erbaute man im Jahr 1827 ein hölzernes Pastorat
Auf Anordnung der Masovischen Wojewodschaftskommission vom 16. März 1826 wurden der im Entstehen begriffenen Gemeinde außer der Stadt Przedecz noch nachstehende Dörfer zugeteilt:
- aus dem Kujawischen Kreis: Cetty, Zbiewko, Nowawieś Mała, Lipiny, Stary i Nowy Jasieniec, Przysypka, Narty, Dziwie, Rybno, Katarzyna, Nowawieś Wielka, Sadok, Kol. Błenno, Gogoły, Łączewna, Modzerowo, Psary, Zalesie, Żarowo, Rogoźno, Chrustowo, Zbiewo, Arkuszewo, Szczecin, Broniszewo, Korzecznik, Błenno, Stadt Brdów;
- aus dem Kreis Łęczyca: Kol. Koncerzyn, Kol. Korytki, Kol. Kamionka, Leszcze Holendry, Kol. Lączówka, Luboniek, Kol. Tarnówka, Bierzwienna Długa, Kol. Brzeziny, Słupeczka Długa und Kol. Maliniec. Dazu noch die Dörfer Mniszek, Dębina, Cegleinia, Maławieś und die Stadt Kłodawa;
- aus dem Kreise Gostynin: Augustopol, Mariapol, Liliopol, Różopol und Studzin.
Am 16. Dezember 1827 wurde der erste von der Gemeinde gewählte Pastor Peter Paul Berkau ordniert und eingesetzt sowie die Kirche eingeweiht.
Während der Amtszeit von Pastor August Hirszowski renovierte wurde die Kirche renoviert und im Jahr 1861 zwei Glocken von der Glockengießerei Wilhelm Richter in Kalisch angeschafft. Mit Hilfe der Konfirmanden bepflanzte er den Kirchberg mit Bäumen. Am 24. März 1864 (Gründonnerstag) erhielt die Kirche ein Altarbild des Warschauer Malers Gerson. Im Jahr 1869 kaufte die Kirchengemeinde vom Tuchmacher Leopold Kühn das gegenüber dem Pfarrhause gelegene Grundstück mit den darauf befindlichen hölzernen Baulichkeiten, dazu 1,5 Morgen Garten samt Wiese und 1,5 Morgen Ackerland (Servitut).
Durch Auswanderung nach Wolhynien nahm die Gemeinde an Seelenzahl ab (1863 — 199 Taufen, 1865 – 224, 1875 – 120 und 1880 nur 96 Taufen). In den 70er bis 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wanderten die evangelischen Bewohner des Dorfes Liliopol (Liliental) nach dem Lubliner und Cholmer Lande u. z. T. nach Wolhynien aus. „Gegenwärtig ist hier kein Evangelischer ansässig.‟ In den Schwabensiedlungen Różpol (Rosental) und Alt-Jasieniec (Jaschnitz) bedient man sich nicht mehr der eigenen Mundart, sondern hatte die der sogen. „Kaschuben‟ angenommen, weil diese Bevölkerungsgruppe die Mehrheit bildete.
An Stelle des hölzernen Gemeindehauses wurde im Jahr 1900 ein massiv gebautes Gemeindehaus, bestehend aus einem Schulzimmer, Konfirmandensaal, Kantor- und Küsterwohnung errichtet. Im Jahr 1910 erbaute die Kantoratsgemeinde Mieczysławów ein Schul- und Bethaus; 1911 wurde in Nowawieś Wielka ein neues Schulhaus errichtet. In diesem Jahr bezog die Gemeinde auch eine neue Orgel.
Die deutsch-evangelische Schule in Przedecz wurde 1919 zur Zeit des Lehrers Emil Wirschke († 17, Juli 1921) aufgelöst. Im Jahr 1924 wurde die Kirche neu gedeckt und 1927 von innen und außen instand gesetzt. Am 19. September 1926 wurde eine neue Gloclke geweiht.1927 gründete Pastor Rückert den Posaunenchor in Przedecz. Im Jahr 1928 wurde der Kirchberg geebnet und am 24. Juni 1928 feierte die Gemeinde Przedecz ihr 100-jähriges Jubiläum. Da der alte Begräbnisplatz geschlossen werden sollte, erwarb die Gemeinde einen Begräbnisplatz von der Größe eines halben Morgens neben dem römisch-katholischen Friedhof. Im Jahr 1931 wurde der alte Friedhof in Przedecz geschlossen und am Sonntag, den 26. Juli 1931, der neue Friedhof eingeweiht.
Gemäß dem Kirchengesetz vom 27. Dezember 1936 wechselte Przedecz von der Kalischer in die Płocker Diözese.
Quellen:
Kersten, Rudolf: 100 Jahre der Gnade. Ein Gemeindejubiläum, in Hausfreund Volkskalender 1929, S. 94–98
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971