Der Gutsbesitzer Baranowski, tatarischer Herkunft, erbaute auf seinem Gute Sudawskie, Krs. Kalwaria, 4 km von Wiżajny entfernt, gegen Ende des 18. Jahrh. eine evangelische Kirche und besetzte sie mit dem Pastor Andreas Wilhelm Grabowski. Der aber übernahm bald die 14 km von Suwałki entfernte Gemeinde Chmielówka. Von dort bereiste er weiter Sudawskie, dessen Kirche langsam verfiel und 1820 nicht mehr benutzbar war. Unterdessen siedelten sich auf den Ländereien des Gutes Alt-Haucza Kolonisten aus Preußen an, für die der Grundherr auf eigenem Platz in der evangelischen Siedlung Klaipede ein hölzernes Gotteshaus errichtete. Der Pfarrer von Chmielówka hielt auch hier Gottesdienste. Durch ein Feuer wurde im Jahr 1840 die Holzkirche in Klaipede zerstört, was den Gutsbesitzer Jankowski veranlaßte, 1844 ein neues steinernes Gotteshaus zu erstellen. Der Pfarrer von Suwałki kam hierher gottesdiensthalber sechsmal jährlich. Doch auch die neue Kirche war so schlecht und nachlässig gebaut, daß 1849 der Wirballener Pastor Eduard Gentsch dem Konsistorium von ihrer Baufälligkeit und Unbrauchbarkeit berichtete.
Im Jahr 1842 gründeten die Evangelischen die Gemeinde zu Wiżajny, wo sie nach zwei Jahren ein Regierungsgebäude pachteten und es zu einem Schul- und Bethaus herrichteten. Das Kirchenkollegium beabsichtigte das Gebäude mitsamt dem Platz zu kaufen, was aber die Behörden ablehnten. Da der jeweilige Pastor in Wiżajny keine passende Wohnung finden konnte, logierte er sich in einem Miethause in dem 16 km von Wiżajny gelegenen Filial Wisztyniec ein. Von dort aus erschien er in Wiżajny alle 24 Tage zu Gottesdiensten und sonstigen Amtsgeschäften. Das Filial Wisztyniec, 1842 organisiert und 1852 mit einer steinernen Kirche versehen, war bis zum Jahr 1861 mit der Kirchengemeinde Suwałki verbunden und dann mit Wiżajny. Die Kirche in Wiżajny wurde erst in den Jahren 1877-1879 erbaut — die Grundsteinlegung erfolgte am 21. Juni 1877 — und wurde am 20. Februar 1879 eingeweiht. Die Gemeinde zählte damals 3709 Seelen. Um 1867 bediente man sich in der Parochie der deutschen, polnischen und litauischen Sprache. Sie lag vor dem Ersten Weltkriege a. d. russisch-ostpreußischen Grenze. Vor 1914 lag im Bereich des Kirchspiels die polnisch-litauische Sprachgrenze. Damals war Mariampol Mittelpunkt der jung-litauischen Bewegung, die auch unter der katholischen Bevölkerung viele Anhänger hatte. Durch die Grenzziehung nach 1921 verlor die Gemeinde über ein Drittel ihrer Eingepfarrten an Litauen, u. a. das Filial Wisztyniec.
Das Kirchspiel entwickelte sich nach 1930 erfreulich, denn es wuchs durchschnittlich um 60 Seelen jährlich. In wirtschaftlicher Beziehung bahnte sich eine gewisse Besserung an. Es herrschten im allgemeinen noch patriarchalische Verhältnisse. So war z. B. der Respekt gegenüber dem Pastor sehr groß. Pastor Jehnke, hier von 1931-1938 tätig, setzte sich für die deutschen Lehrer seiner Gemeinde beim Schulinspektor in Suwałki ein.
Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971