Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Konin

Zu einem Kristallisationspunkt evangelisch-lutherischen Gemeindewesens in der Koniner Umgegend entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrh. der Ort Ślesin. Schon von 1790 war der 20 km von Konin entfernte Ort mit den Predigtplätzen Butterholland (Maślaki), Szyszyner Hauland und Grabina Filial von Witkowo, Provinz Posen. Von 1811-1815 verwaltete Ślesin Ortspastor Drechsler. Nach seinem Weggang bereiste bis 1817 Pfarrer Röhl aus Witkowo alle sechs Wochen die Ortschaften bis die preußisch-russische Grenze sie vom Kirchspiel Witkowo trennte. Der Versuch, in Ślesin eine evang. Gemeinde zu gründen, scheiterte.

Die Siedlungstätigkeit auf dem Lande setzte im Koniner Bezirk nach 1750 ein. Im Jahr 1765 entstand Dombrowa Hauland bei Kleczew, 1767 etablierte sich auf den Ländereien des Gutes Sławsk die Kolonie Wenglewer Hauland (Węglewskie Hollendry) Die Holländereien Slawsk, Kolno und Rumin wurden zu gleicher Zeit gegründet. 1775 entstand das Dorf Briesener Hauland (Brzezńiskie Hollendry), 1835 Neu-Czarkow. Die nach 1818 in Konin eingewanderten Weber und Tuchmacher behaupteten sich nur bis 1870.

Bereits 1824 kauften die Koniner Evangelischen die 1801 errichtete ehem. hölzerne römisch-katholische Hl.-Geist-Kirche, die auf dem Platz vor der späteren evangelischen Kirche stand. Die Bildung einer lutherischen Parochie in Konin begegnete großen Schwierigkeiten, weil sie das Warschauer Generalkonsistorium aus Rücksicht auf die 3 km von der Stadt entfernte reformierte Gemeinde zu Żychlin nicht genehmigen wollte. Erst auf Befehl des Großfürsten Konstantin Pawlowitsch wurde die Konstituierung des Koniner Kirchspiels 1826 genehmigt. Viel Ärger und Verdruß hatten die Lutheraner mit der Einrichtung einer evangelischen Schule. Die katholischen Stadtbewohner ließen unter keinen Umständen zu, daß in der von evangelischen und katholischen Kindern besuchten Elementarschule einer der beiden Lehrer evang. Bekenntnisses sein sollte. Durch die Ingerenz des Statthalters Paskewicz, der eine Untersuchungskommission nach Konin abordnete, wurde in dem von Katholiken und Evangelischen gemeinsam erbauten Schulgebäude die evang. Schule eröffnet. Seit 1826 amtierte Pfarrer Johann August Kegler in Konin, der am 29. Juli 1827 ein gesetzt wurde. Bereits am 27. Dezember 1830 starb er wahrscheinlich eines gewaltsamen Todes. In der Vakanzzeit 1830-1837 administrierte Konin der reformierte Pastor Johann Scholtz aus Żychlin. Nach ihm übernahm die Pfarrstelle 1837 Pastor Justus Hermann Otto Hinz. Im Jahr 1840 ließ er das gemauerte Pfarrhaus errichten und rief 1843 das Filial Maślaki ins Leben, 1846 wurde der evang. Friedhof in Konin angelegt, 1849 schlossen sich die lutherischen Kantorate Schwentz (Święcia), Borowo und Brzezińskie H., die in die reformierte Gemeinde Żychlin eingepfarrt waren, an Konin an. In den Jahren 1853-1854 begann man mit dem Bau einer neuen Kirche, und zwar auf dem Platz, den die Evangelischen 1820 gekauft hatten. 1859 erwarb man eine Orgel, errichtete 1872 einen Glockenturm und schaffte auch Stahlglocken an.

Nach dem Tode von Pastor Hinz (gest. 1882) bewarb sich um die vakante Parochie der reformierte Pastor Karl Henkel aus Żychlin, der (1869-1884). Das Konsistorium widersetzte sich aus Bekenntnisgründen seiner Berufung. Da aber das Kirchspiel ihn unbedingt zu seinem Seelsorger haben wollte, weil er sich sich in der Koniner Gegend eines sehr guten Rufes erfreute. Das Konsistorium gab seinen anfänglichen Widerstand auf, zumal er sich verpflichtet hatte, das lutherische Bekenntnis in seiner Amtsführung zu respektieren und zu praktizieren. Daraufhin wählte ihn am 30. April 1884 die Gemeinde zu ihrem Pfarrer. Nach einem Jahrzehnt kaufte die Parochie einen Acker und eine Wiese, um ihrem Pastor zu ermöglichen, mit eigenem Gespann Amtsfahrten u. a. zu verrichten. Ferner wurde ein Gemeindehaus mit Räumlichkeiten für die evangelische Schule, für Lehrer und Kantor, Küster und Totengräber erbaut. Im Jahr 1906 verlegte man die evangelische Schule in das Gemeindehaus, an das schon vorher ein Greisenheim für arme Evangelische der Stadt Konin angebaut wurde. Letzteres weihte Henkel am 8. Juli 1905 ein. Die Gemeindeversammlungen vom 9. Februar 1902, vom 11. März 1906 und 14. Februar 1909 faßten Beschlüsse hinsichtlich des Umbaues, der Erweiterung und Renovierung der Kirche und ihrer würdigen Ausstattung. Am 3. Mai 1915 verschied Pastor Henkel. Nach der Administration des Kirchspiels durch den reichsdeutschen Pfarrer Schnorr amtierte in ihm von 1917-1927 Pastor Adolf Löffler. Ihm oblag es nach 1918, die evangelische Bevölkerung auf dem Lande zu schützen und ihre Rechte zu wahren. Während sie ihm Vertrauen und Achtung zollte, hatte er Schwierigkeiten seitens einer kleinen Gruppe evangelischer Polen und der Koniner Lokalbehörden. Dies genügte, um ihn gegen den Willen der deutschen Mehrheit der Gemeinde nach Chodecz zu versetzen. Seit 1928 war hier Pastor Robert Gustav Badke tätig. Im nachfolgenden Jahr wurden Kirche und Pfarrhaus renoviert sowie die Orgel instand gesetzt. Die elektrische Lichtanlage für das Gotteshaus schenkte der evangelische Stadtbürger August Walter. Am 1. Advent 1929 fand die Kirchenvisitation, verbunden mit Pastor Badkes Installation, dem 100jährigen Gemeindejubiläum und der Weihe einer Gedenktafel zu Ehren weil. Pfarrer Henkels statt. Schwentz, eines der größten Kantorate, zählte nahezu 100 Familien und hatte einen geräumigen Betsaal, einen Posaunenchor, Gesangschor und sogar eine „Evang. Feuerwehr‟.

 

 

Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971

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Evangelische Kirchengemeinde Konin

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