Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Stara Iwiczna (Alt Ilvesheim)

Um das Jahr 1801 vollzog sich die Ansiedlung der deutsch-evangelischen Kolonisten in Alt-Ilvesheim (Stara Iwiczna), Neu-Ilvesheim, Ludwigsburg und Schwenningen. Diese vier schwäbischen Dörfer wurden auf den Ländereien des Domänenamtes Leszno-Wola gegründet. In der Nähe von Warschau legte man die Siedlung Szopy Niemieckie an. In der Zeit von 1807 bis 1835 wanderten zahlreiche Schwaben nach Bessarabien und in das Gouvernement Cherson aus.

Die neuen Kolonien waren in die Gemeinde Pilica eingepfarrt und wurden von dort aus betreu. Sie schlossen 1842 zu einem Filial zusammen. Ein Baugrundstück zur Kirche und zum Pfarrhaus wurde angewiesen, wie auch die Kantor- und Lehrerstelle in Alt-Ilvesheim mit vier Morgen Land ausgestattet. Im Jahr 1857 verselbständigte sich das Filial. In Ermangelung von Predigern konnte es nicht mit einem ortsansässigen Seelsorger besetzt werden und wurde und nach wie vor von Pilica aus verwaltet. Die dortigen Pastoren, ebenso auch andere, bereisten Alt-Ilvesheim zwölfmal und die übrigen Kantorate sechsmal jährlich.

Am 31. August 1898 wurde das an Stelle der alten Holzkirche errichtete massives Gotteshaus nach fünfjähriger Bauzeit eingeweiht. Im Jahr 1909 stifteten die Eheleute Johann und Philippine Haag mit ihren Kindern eine Glocke, Ludwig Schwartz und Gottlieb Günther den 160 Meter langen Kirchenzaun und Eduard Albrecht das eiserne Zauntor.

Während des Ersten Weltkrieges wurden die Eingepfarrten nach Rußland ausgesiedelt. Das Gotteshaus, durch Beschuß der Russen beschädigt, konnte wieder hergestellt und zu Weihnachten 1919 seiner Bestimmung übergeben werden. Am 29. September 1923 feierte die Gemeinde ihr 25jähriges Kirchweihjubiläum.
Im Jahr 1928 wurde das Pfarrhaus erbaut und 1929 Waldemar Galster zum Ortspastor berufen. 1932 ersetzte man die alte, aus der Warschauer lutherischen Kirche stammende Orgel durch eine neue. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges entsagte Pastor Galster seinem Amt und verzog nach Warschau.

Die alte evangelische Schule in Alt-Ilvesheim wurde im Ersten Weltkrieg zerstört. Nach ihrer Rückkehr aus der Verbannung wurde sie 1919 schöner und geräumiger aufgebaut. Im Jahr 1930 wurde die deutsche Schule geschlossen und ihre 150 Kinder auf die polnischen Schulen in dem 3 km von Alt-Ilvesheim gelegenen Piaseczno verteilen. Die deutsche Schule in Julianów wurden ebenfalls aufgelöst, was zu Unmut der Gemeindemitglieder führte.

In die Parochie waren einbezogen die Kantorate Kempa Zawadowska (bestand seit 1810), Kempa Okrzeska (schon früher) und Góra Kalwaria mit den Bethäusern in Kąty und Szulec. Die ersten beiden Kämpen lagen dicht a. d. Weichsel und waren durch zwei Dämme gesichert, die aber durch Überschwemmungen immer wieder durchbrochen wurden. Da das Hochwasser das alte Schul- und Bethaus in Kempa Zawadowska vernichtete erbaute man 1852 ein neues. Gleichzeitig gründete man einen neuen Friedhof, weil der alte von den Fluten der Weichsel zerstört worden war. Am 8. November 1942 feierte das Kirchspiel sein 100jähriges Jubiläum. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges löste sich die Gemeinde Alt-Ilvesheim durch Evakuierung auf.

Zur Gemeinde gehörten 1 Kirche, 1 Pfarrhaus, Kantorhaus mit Schulklasse, Küsterhaus und Wirtschaftsgebäude.
Im Jahr 1923 78 Taufen, 20 Trauungen, 31 Todesfälle, 31 deutsche und 20 polnische Konfirmanden.

 

Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971

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Evangelische Kirchengemeinde Stara Iwiczna

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