Das Kloster Ląd a. d. Warthe (Lond, Lande) verdankte seine Gründung im Jahr 1145 den deutschen Zisterziensermönchen. Bis 1553 waren die Äbte, im ganzen 25, deutscher Abstammung. Von Ląd aus gründeten die Mönche u. a. 1145 Zagórów, 1257 Pyzdry (Peisern), 1269 Lądek (Landeck). Mit einem 4 km langen Damm verbanden sie Zagórów mit dem Kloster.
Die Besiedlung der Zagórówer Gegend mit deutsch-evangelischen Kolonisten läßt sich erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts nachweisen. 1746 erhielten deutsche Bauern von Paul von Kolno-Prusiński, dem Besitzer des Gutes Trąbczyn, zur Urbarmachung ein großes Waldgelände, auf dem das Dorf Łazińsk „aus grüner Wurzel‟ entsproß, die älteste Kolonie der späteren Zagórówer Parochie und zugleich auch das größte Kantorat mit über 150 evangelische Bauern. Das Schul- und Bethaus war mit 18 Morgen Ackerland und 2 Morgen Wiese, der Friedhof mit 2 Morgen und 180 Kreuzruten Wald dotiert. Außer Łazińsk kam es noch zu nachstehenden Gründungen Tarszewo (Friedrichsfelde), Chruściki (Adelshof), Michalinów (Gemeinde Oleśnica) (Emilienheim), Olchowo (Sophiental), Mały Las (Ludwigslust), Anielewo (Ingelfingen), Augustynów (Augustinenhof).
In Zagórów ließen sich zu südpreußischer Zeit auch Tuchmacher nieder. Die Einwanderer, die aus dem Posenschen und aus Schlesien stammten, bedienten religiös bis 1817 die Pastoren von Wreschen, dann die der benachbarten Parochien Grodziec, Konin und Żychlin (reform.). Seit 1829 waren Bestrebungen im Gange, auf den Besitzungen von Kopojno, die dem Grundherrn Karl Gottlieb Weigel gehörten, eine evangelische Kirche zu erbauen. Weigels Tod († 1836) und die Schwierigkeiten bezüglich des Pfarrortes — gegen Zagórów opponierten zahlreiche Ortschaften — verhinderten dies zunächst. Trotzdem beschlossen am 29. Juli 1840 die Evangelischen in und um Zagórów die Begründung eines Filials und die Wahl des ersten Kirchenkollegiums. Doch die endgültige Stiftung der Filialgemeinde erfolgte erst 1843. Zunächst wurden in Zagórów Gottesdienste in einem gemieteten Lokal gehalten. Im Jahr 1850 kaufte das Filial ein Haus, dessen eine Hälfte als Betsaal und die andere als Schule und Kantorwohnung diente. Bis Weihnachten 1856 verwaltete Zagórów Pastor Orive aus Grodziec.
Seit Weihnachten 1856 wurde es selbständig und erhielt in Wilhelm Winkler den ersten ortsansässigen Pfarrer. 1857 erwarb die Parochie zwei kleine Häuser zum Pastorat und baute sie entsprechend um. Indessen war mit der Erhebung Zagóróws zum Pfarrort der Gutsbesitzer Weigel (Sohn) von Kopojno nicht einverstanden. Am 10. Januar 1858 erklärte er durch seinen Bevollmächtigten Wilhelm Jaenicke, daß er 12 Morgen Land und Ziegeln zum Kirchbau zu schenken gewillt sei, wenn man den Pfarrort von Zagórów nach Michalinów Kopoinski (Emilienheim) verlegen würde. Das Konsistorium lehnte jedoch seinen Vorschlag ab.
Nach vierjähriger Tätigkeit verließ Pastor Winkler die Gemeinde. Auch seine drei Nachfolger Eugen Biedermann, Karl Eduard Erdmann und Bernhard Erdmann amtierten hier nur kurz. Zur Zeit Karl Eduard Erdmanns wurde am 8. Mai 1878 der Grundstein zum Bau der evangelischen Kirche in Zagórów gelegt. 4 Jahre dauerte der Kirchbau. Am 1. Advent 1882 wurde das Gotteshaus eingeweiht. Im Jahr 1898 fiel das Bethaus in Michalinów einem Brand zum Opfer. Im gleichen Jahr erstellte man ein neues Bethaus in Adelshof. Schon 1913 begann man mit dem Bau des Kantor- und Schulhauses in Zagórów, das 1917 vollendet wurde. Am 16. Oktober 1913 wurde für das Pfarrhaus der Grundstein gelegt. Seit 1923 wirkte im Kirchspiel Pastor Alexander Groß. 1927 stiftete das Ehepaar Ferdinand und Luise Krüger zum Andenken an ihren im polnisch-sowjetrussischen Krieg (1920) verschollenen Sohn Rudolf Krüger eine Turmuhr. Am 16. Oktober 1938 wurde das Pfarrhaus in Zagórów eingeweiht. Pastor Groß betreute bis zu seinem Tod 1945 die Parochie.
| Das Filial Lissewo-Pyzdry |
Die Stadt Pyzdry (Peisern) gründete 1257 das Zisterzienserkloster Ląd a. d. Warthe. Um 1370 wählte Peisern noch mit fünf anderen Städten die Räte, die das Höchste Stadtgericht für die Provinz Großpolen bildeten, ohne Appellation nach Halle und Magdeburg.
In den Jahren 1790-1794 zählte Peisern über 3000 Einwohner. Zu südpreußischer Zeit wollte man hier eine evangelische Gemeinde organisieren. Eine evang. Garnison- und Bürgerschule bestand in Peisern seit 1798, die aber nach 1806/07 einging. Die Alte Holland Peisern wurde um 1770 gegründet. In Lissewo erbauten die Kolonisten ein Schul- und Bethaus, in Wierzchy existierte das Bethaus schon seit 1803 auf dem dortigen Friedhof. Die jahrzehntelangen Bemühungen der Evangelischen in Peisern um die dortige kostenlose Überlassung der durch einen Brand stark beschädigten römisch-katholischen Hospitalkirche (Hl.-Geist-Kirche) verliefen ergebnislos. Mangels einer gottesdienstlichen Stätte am Orte besuchten die Evangelischen das Bethaus in Lissewo oder die evang. Kirche in Wreschen. Auf Bitten der „Ältesten von Peysern‟ Andrae und Farner erschien der Wreschener Pastor Samuel Gottlieb Schröck in bestimmten Zeitabschnitten bis zu seinem Tode im Jahr 1818 in Peisern und hielt in einem inzwischen gemieteten Lokal Gottesdienste. Die Pastoren Stegmann und dann Orive, beide aus Grodziec, bereisten nun hier die evangelische Bevölkerung.
Pastor Orive bildete 1842 das Filial in Peisern, was den heftigen Widerspruch der Kantorate hervorrief. Im Jahr 1845 wünschten die Kolonisten von Lissewo und Ciemierów den Sitz des Filials von Peisern nach Lissewo zu verlegen, dagegen die von Wierzchy dessen Übertragung in ihr Dorf. 1851 lehnte das Konsistorium die Auflösung des Filials ab, das seit 1857/58 die Bezeichnung „Lissewo-Pyzdry‟ führte. 1909 kaufte die Filialgemeinde in Peisern am Neuen Markt Nr. 101 ein Haus zum Betsaal und zur Kantorwohnung. Der Zagórówer Pastor bereiste sie zwölfmal jährlich. Bei Vakanzen in Zagórów administrierten das Filial die Pfarrer von Grodziec, Konin, Stawiszyn oder aus Miłosław, Prov. Posen. Das Filial hatte kein eigenes Standesamt und darum auch keine Filialkantoren. Man konnte sich über den Ort des Standesamtes nicht einigen. Daher wurden die Register von Lissewo-Pyzdry und von der Gemeinde Zagórów gemeinsam geführt.
Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971