Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Ozorków

In die 1816 gegründete Stadt Ozorków a. d. Bzura wanderten zahlreiche deutsch-evangelische Tuchmacher u. a. ein. Den Anstoß hierzu gab der Erbbesitzer Ignaz Starzyński (Starzeński). Schon seit 1807 ließen sich hier etwa 300 Tuchmacher, Scherer und Spinner nieder. Der aus Warschau zugezogene Christian Wilhelm Werner begründete eine große Schönfärberei und der Tuchfabrikant Matthias Friedrich Schlösser aus Aachen die erste Baumwollfabrik. Ozorków kann daher als Wiege der Baumwollindustrie im Lande angesehen werden. Nach Schlössers Tode wirkte als leitender Direktor des Unternehmens Karl Wilhelm Scheibler, der aber im J. 1854 nach Lodz übersiedelte.

In der Ozorkówer Umgegend ließen sich inzwischen deutsch-evangelische Kolonisten in Siowik H. (1785 gegr.), Pustkowa Góra H. (1783), Tkaczewska Góra, Władysławów, Mariampol, Bandków u. a. Zu einem losen kirchlichen Zusammenschluß der Evangelischen von Ozorków und der umliegenden Ortschaften kam es 1814 unter Friedrich Ferdinand Schulz (oder Schulze), einem Pfarrer ohne Vokation. Doch diese personell und auch sonst mangelhaft organisierte Gemeinde hatte nur einen kurzen Bestand.

Durch das Reskript der Regierungskommission für Kultus und öffentliche Aufklärung vom 5. Juni 1826 wurde die Parochie Ozorków gestiftet. Der Grundherr vermachte der Gemeinde einen Morgen Ackerfeld und etwas Gartenland für den Pfarrer. Bei der Bildung der Gemeinde errichtete man eine kleine Holzkirche mit einem hölzernen Glockenturm, der noch 1885 stand. In ihm hingen zwei größere und eine kleine Glocke (Schulglocke). Letztere diente später auf dem Ozorkówer Gottesacker als Friedhofsglocke. Zum ersten Pastor berief man Karl Friedrich Haberfeld, der nach vorheriger Ordination in Warschau die Pfarrstelle antrat. Nach 10jähriger Amtsdauer tauschte er das Pfarramt von Ozorków mit dem von Michałki, wo er bald darauf verstarb. Sein Nachfolger, war der Lutheraner Eduard Stiller. An Stelle der abgebrochenen kleinen Holzkirche erbaute er in der Zeit 1840-1842 ein steinernes Gotteshaus, das am 9. Oktober 1842 eingeweiht wurde. Im Stil der Renaissance aufgeführt, verdankte es seine Errichtung hauptsächlich dem Färberei- und Gutsbesitzer Christian Wilhelm Werner, der die Gesamtkosten zum größten Teil selbst getragen hat. Die dankbare Parochie ehrte ihn mit einer marmornen Gedenktafel im Gotteshaus als den Stifter der evangelischen Kirche. Das steinerne Pfarrhaus wurde im Jahr 1850 erbaut.

1841 wurde Lentschütz Filiale. Nach Stillers Tode (1879) übernahm die Pfarrstelle Eduard Wilhelm Władysław Lemon. Dank seinem guten Verhältnis zu dem kinderlosen Fabrikanten-Ehepaar Heinrich Schlösser und Mathilde geb. Werner (Schwester von Frau Anna Scheibler geb. Werner, Lodz), sind der Gemeinde vom erwähnten Ehepaar bedeutende Hypotheken vermacht worden. Heinrich Schlösser, Industrieller und langjähriger Kirchenvorsteher, ließ im Jahr 1882 auf seine Kosten einen Kirchturm erstellen, das Gotteshaus verschönen, eine dreiklassige Schule und ein Greisenheim für die Insassen beider christlicher Bekenntnisse erbauen. Dessen Einweihung feierten am 15. April 1899 Pastor Lemon und der Ozorkówer röm.-kath. Propst.
Im Jahr 1891 wurde auf dem evangelischen Friedhof, der auf einer Anhöhe lag, ein massives Gebäude (mit einer Leichenhalle und Wohnung für den Totengräber) errichtet. Nach Heinrich Schlössers Tode war dessen Witwe — Mathilde Schlösser geb. Werner; gest. am 6. Februar 1904 — bestrebt, den Willen und die Pläne ihres heimgegangenen Gatten auszuführen, wobei sie vom Warschauer Baumeister und Berater Eduard Lilpop unterstützt wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg galt die Parochie zu Ozorków als eine der wohlhabendsten im Lande.
Von 1911-1913 amtierte hier Pastor Leo Witold May. Mit der Instandsetzung der Kirche begann man 1913 und beendete sie 1916. Die Renovierung ermöglicht zu haben, war das Verdienst von Frau Anna Scheibler geb Werner, die in treuer Anhänglichkeit an ihre Heimatgemeinde die erforderlichen Geldmittel gespendet hatte.

Im Jahr 1916 wurde der Ozorkówer Kirchengesangverein unter Leitung von Adolf Modro gegründet. Lehrer und Kantor August Hanelt wirkte hier zuletzt als Gemeindekantor. Er starb im Alter von 88 Jahren in Ruda Pabianicka und wurde am 31. März 1938 in Ozorków beerdigt. Von 1913-1918 war im Kirchspiel Pastor Adolf Heinrich Rondthaler tätig. Ihn löste von 1920-1924 Pastor Paul Otto ab. Von 1925-1945 amtierte Pfarrer Theodor Bergmann.

1936 trennte sich Lentschütz als selbständige Gemeinde von Ozorków. Am 29. Dezember 1935 wurde in Władysłów-Kwilno ein neues Bethaus eingeweiht.

Zur Gemeinde gehörten eine Kirche in Ozorków, ein Pfarrhaus, ein Schulhaus, ein Haus auf dem Friedhof sowie seit 1889 ein Altenheim. Es gab ein Kantorat in Władysłów sowie 6 Friedhöfe. Es gab je eine Vereinigung der weiblichen und männlichen Jugend sowie einen Gesangverein.

 

Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971

nach oben

 

Evangelische Kirchengemeinde Ozorków

nav nav
nach oben
Die Inhalte der Website und das Menü sind so umfangreich, dass wir empfehlen, das Querformat zu benutzen.