Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Paproć Duża

Um 1800 wurden von mecklenburgischen Kolonisten die Siedlungen Königshuld-Paproć Duża oder Groß Paproć, Luisenau, Wilhelmsdorf und Mecklenburg gegründet. Die schulischen und kirchlichen Verhältnisse waren in den Jahren des Seßhaftwerdens und der Einwurzelung primitiv und ungeordnet. Die Jugend unterrichtete, wer gerade von dieser oder jener Kolonie als Lehrer angenommen wurde. Nicht besser war es um die religiöse Versorgung der Ansiedler bestellt. Unregelmäßig bereisten die Prediger von Chmielówka-Suwalki und Wengrow die Dörfer der Königshulder Sprachinsel. Erst durch die Bildung der Gemeinde im J. 1837 und die Berufung des ersten Pfr. Theodor Küntzel besserten sich die Verhältnisse. Pastor Schlicke, Küntzels Nachfolger, erbaute 1841 die massive Kirche in Paproć Duża. Die Errichtung eines hölzernen Pfarrhauses bewerkstelligte man gleichfalls. Schlicke verwaltete auch zeitweilig Łomża und das 11 Meilen vom Pfarrort entfernte Filial Szczuczyn, das anscheinend seine Kräfte überforderte. Vikar Karl Wagner und Pastor Julius Mrongovius blieben nur kurz hier, weil das hölzerne Pfarrhaus sich in einem sehr schlechten Zustande befand. Deswegen siedelte Mrongovius nach Łomża über und verwaltete von dort aus weiter Königshuld. Im J. 1856 erbaute das Kirchspiel ein steinernes Pfarrhaus, was Pfr. Mrongovius veranlaßte, 1859 nach Paproć Duża wieder zurückzukehren, um so mehr als er viel Interesse für die Landwirtschaft hatte und das Pfarrland selbst bewirtschaftete. 1866 übernahm er die Pfarrstelle zu Suwałki, worauf dann die Prediger von Łomża und Wengrow die verwaiste Parochie administrierten. Im J. 1883 wurde Karl Doll Ortspastor, der mit den Eingepfarrten umzugehen und ihr Vertrauen zu gewinnen verstand. Von 1886 bis 1926 verwaltete von Łomża aus Pastor Kaspar Mikulski die Parochie. Am 15. Juli 1899 traute er (Trauakt Nr. 7/1899) in Paproć den späteren Marschall Polens Piłsudski mit Maria Kazimiera Juszkiewicz geb. Koplewska. Im Ersten Weltkrieg wurden die Gemeindeglieder nach Innenrußland verbannt. Durch Kriegshandlungen blieben außer dem Pfarrhause nur drei Häuser erhalten. Auch die Kirche wollten die Russen einäschern, was aber noch im letzten Augenblick verhindert werden konnte. 1920 wurde die Parochie von der Geißel des polnisch-sowjetrussischen Krieges heimgesucht. Der seit 1926 nur kurz in Paproć Duża amtierende Pastor Proniewicz, ein ehem. katholischer Priester, konvertierte dann wieder zu seiner früheren Kirche. Meist auswärtige Prediger verwalteten von neuem Königshuld. Am 29. Juni 1930 wurde die reparierte Orgel wieder eingeweiht.
1937 übernahm die Gemeinde Pastor Rudolf Kersten, der Bibel- und Missionsstunden u. a. m. eingeführt hat. Am 25. und 26. Juni 1938 feierte Groß Paproć sein 100jähriges Jubiläum. Kurz darauf, am 10. August 1938, beging der Ortspastor sein 25jähriges Amtsjubiläum. Noch vor dem Ersten Weltkrieg gab es hier drei Schulen: in Groß Paproć, Srebrny Borek und Kowalówka. Nach 1918 verringerte sich deren Zahl auf zwei und schließlich auch der Deutschunterricht auf nur vier Stunden wöchentlich. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, im September 1939, wurde die Gemeinde von den deutschen Militärbehörden umgesiedelt und später auf die Kreise Mława und Neidenburg/Ostpr. verteilt. Durch die Katastrophe 1945 wurden die ehem. Eingepfarrten zerstreut, wobei die meisten von ihnen in Mecklenburg und Schleswig-Holstein Zuflucht fanden. Erwähnt sei noch, daß die Gemeinde der augsburgischen Kirche 5 Pastoren geschenkt hat: Rudolf Gustav Gundlach, Johann Buse, Rudolf Buse, Julius David Buse und Adolf Krempin.
Statistik
Gründung der Gemeinde: 1837. Seelenzahl 1938: 1500. Kirchensprache: deutsch. 1 Kirche, Pfarrhaus, Haus für die Kirchenbediensteten, 1 Betsaal (Srebrny Borek), 2 Friedhöfe; Kirchen- und Posaunenchor, seit 1919. 1923: Kommunikanten 450; Kontribuenten 222. Pastoren: Theodor Küntzel, 1837—1839; Johann Gottlieb (Gottlob) Schlicke, 1839—1848; Karl Wagner, Vikar, 1848—1851; Julius Mrongovius, 1852 (nur kurz), dann wieder hier von 1859—1867; Karl Doll, 1883—1886; Leopold Proniewicz, 1926—1927; Alexander Jehnke, vom 15. 10. bis Ende 1930; Rudolf Kersten, 1937—1939.
Kantoren 1938: Fröhlich und E. Rolof. — In Srebrny Borek wirkte als Lehrer und Kantor auch Michael Schmit, der spätere Direktor des Lodzer deutschen Mädchengymnasiums. Landbesitz: 66 polnische Morgen Pfarrland und einige Morgen Kirchenland.

E. Kneifel: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971, S. 29 ff.

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Evangelische Kirchengemeinde Paproć Duża

   
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