Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Grodziec

Auf den Grodziecer Gütern wurden im J. 1772 die Kolonien Borowiec H., Konary H., Grunde und Wielolęka gegründet. 1784 fundierte der Grundherr Peter von Sokołowa-Gałczyński Orlina-Adlerholland und Gadow H. Dem Adelnauer Starosten F. Stadnicki. verdankte 1787 das Dorf Białobłoty H. seine Gründung. Alle diese Siedlungen wurden von ihrer Muttergemeinde Władysławow aus religiös bedient. Am 12., 13. und 14. Juli 1796 schlossen auf dem Gutshof in Grodziec Graf Anton von Stadnicki und die Vertreter der genannten Kolonien im Beisein der Peisener Gerichtskommission einen Vertrag über die Bildung der evang. Gemeinde zu Grodziec. Stadnicki verpflichtete sich, alle Bauplätze zur Kirche, zum Pastorat, Kantorhaus und Wirtschaftgebäude zu schenken. Außerdem wies er für den Pastor zwei Morgen Wiesen- und einen Morgen Gartenland an sowie für den Kantor einen Morgen Gartenland. Desgleichen bewilligte er ein jährliches Deputat (Getreide, Holz und Bier) für den Pastor und auch Holz für den Kantor. Als Mitbegründer und Patron der Parochie behielt er für sich und seine Nachkommen das Patronatsrecht bei Besetzung der Parochie vor. Die südpreußischen Behörden bestätigten den Vertrag am 9. Januar 1797.

Zum ersten Pastor von Grodziec wählten der Patron und die Vertreter der Kolonien David Bergemann aus Fraustadt. Der im Jahr 1797 begonnene Bau der Kirche konnte erst 1803 abgeschloßen werden. Sie war bescheiden und klein, nur 14 Ellen hoch, aus Holz und dazwischen gemauerten Ziegeln erbaut. Sie erhielt den Namen St.-Petri-und-Pauli-Kirche. Das hölzerne, mit Stroh gedeckte Pfarrhaus errichtete man 1800. Nach zehnjährigem Wirken starb Pastor Bergemann unerwartet am 11. August 1807. Zu Pfarrer Johann Stegmanns Zeit wurden zahlreiche hölzerne, strohgedeckte Bethäuser erstellt, so 1820 in Białobłoty und Groß Orlina, 1822 in Obory. Pfarrer Spleszyński verwaltete als Reformierter die lutherische Parochie Grodziec.

Als die baufällige Kirche einzustürzen drohte, versiegelten die Behörden diese am 24. Oktober 1850. Obwohl man mit dem Bau des Gotteshauses schon mehrere Jahre vorher begonnen hatte — die Grundsteinlegung erfolgte am 9. August 1846 — kam dieser nicht voran, weil der neue Patron Graf von Bieliński seinen Verpflichtungen nicht nachkommen wollte. Erst die Regierung, an die sich die Kalischer Superintendentur gewandt hatte, sorgte dafür, dass die verwitwete Gräfin Bielinska wenigstens zum Teil den Verpflichtungen nachkam. Am 22. September 1866, also nach 20jähriger Bauzeit, war die Kirche vollendet. Die Hauptlast des Baues hatte die Gemeinde selbst auf sich genommen. Im Jahr 1860 wurde das alte Kantorhaus abgetragen und in den Jahren 1864-1868 wurde das neue Pfarrhaus erbaut. 1868 brannten die Wirtschaftsgebäude auf dem Pfarrgrundstück ab, so daß neue errichtet werden mußten. Die finanzielle Lage des langjährigen Pastors Karl Friedrich Orive war recht unerfreulich, denn er übernahm in der politischen Gemeinde Grodziec zusätzlich noch das Amt des Schreibers. Im Jahr 1883 beschaffte die Kirchengemeinde eine neue Orgel. Im Prozeß 1884 gegen den Besitzer der Gutsherrschaft, Graf Mieczysław Kwilecki, verlor die Gemeinde das ihr seit 1797 zustehende Deputat. Der seit 1900 in Grodziec tätige Pastor und Superintendent Rudolf Buse wurde im Ersten Weltkrieg von Kosaken verhaftet und nach Rußland verbannt, wo er starb.

Von 1922 bis 1939 wirkte in Grodziec Pastor Adolf Gustav Ulbrich. 1924 brannte das Bethaus in Groß Orlina ab. Nach seinem Wiederaufbau und Erweiterung durch einen Chor versuchte der Schulaufsichtsrat der Kommune Rzgów, sich das Kantoratseigentum anzueignen. Nach langem Rechtsstreit entschied das Warschauer Höchste Verwaltungsgericht zugunsten der Kirchengemeinde. Im Wege des Rechtsstreits wurden die Kantorate Obory (15 Morgen), Groß Orlina (15 Morgen) und Gadow (8 Morgen) für die Kirchengemeinde gescihert. Die Rechtsstreite um die Kantorate Białobłoty (15 Morgen) und Wojciechowo (5 Morgen) wurden vor Beginn des Zweiten Weltkriegs nicht abgeschlossen. Am 4. Juli 1937 feierte Grodziec das 15jährige Amtsjubiläum Pastor Ulbrichs.

 

 

Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971

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Evangelische Kirchengemeinde Grodziec

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