Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Dąbie

In Dąbie (Dombie) am Ner wanderten schon zu südpreußischer Zeit deutsch-evangelische Tuchmacher u. a. Handwerker ein. Bis zum J. 1820 stieg die Zahl der Tuchmacher auf 100 an. Im Jahr 1828 zählte das Städtchen bereits 1875 Einwohner, während zu Beginn der preußischen Herrschaft in ihm nur 52 polnische, 8 deutsche und 2 jüdische Familien ansässig waren. In der Umgegend von Dąbie etablierten sich die Kolonien, so um 1770 Chwalborskie Hol., 1779 Grabina Wielka H. und Rzuchów H., Sobótka H. 1781, Dembina 1782, Skąpe Hol. 1792. Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrh. existierten schon die Dörfer Łusie, Dąbskie H., Szczepanowo, Mrowisko, Baranowiec, Grabina Mała, Różniatów, Chruścin, Banachowo und Wilanów. In das Jahr 1866 fällt die Gründung der Siedlung Besiekiery.

Religiöser Mittelpunkt in und um Dąbie war das Bethaus von Łusie, „Filial von Władysławow‟, dessen Pastor Johann Georg Hörning es verwaltete. Der bemühte sich um die Bildung einer Gemeinde in Dąbie und wurde dabei vom Stadtbürger und Tuchmacher Michael Tydelski unterstützt. Im J. 1806 war das kleine, steinerne Gotteshaus, ohne Sakristei, erbaut und damit die Voraussetzung für ein ge-ordnetes religiöses Gemeindeleben erfüllt. 1806 galt daher als das Fundationsjahr der Parochie. Für die evang. Kirche, das Prediger- und das Schulhaus wiesen die preußischen Behörden 3 Morgen Land an. Auf Grund des Vertrages vom 18. August 1809 beriefen die Evangelischen von und um Dąbie Pastor Hörning aus Władysławow‟ zu ihrem Seelsorger. 1827 erhielt er in Berücksichtigung seines hohen Alters in Friedrich Ferdinand Schulze einen Hilfsgeistlichen. Nach Hörnings Zurruhesetzung im Jahr 1829 wählte Dąbie mit Zustimmung des General-Konsistoriums Pfarrer Wilhelm Alberti.
Zur Zeit des Pfarrers Wilhelm Biedermann erwarb die Gemeinde im Jahr 1840 ein Gebäude zum Pfarrhaus, das sie bis 1843 entsprechend umbaute. Von 1846-1865 amtierte Pastor Alfred von Modl, der sich nebenberuflich auch als Heilpraktiker betätigte. Insbesondere im Cholerajahr 1852 lernte die Gemeinde seine Einsatzbereitschaft und Selbstlosigkeit kennen.
Im Jahr 1857 mietete man ein Lokal zur evangelischen Elementarschule und gab damit die gemeinsame Schule mit den Katholiken ab. 1860 kaufte die Parochie den Platz Nr. 27 zum Bau eines Pfarrhauses. Zur Amtszeit Adam Haberkants gründeten die Baptisten in Dąbie eine Gemeinde. Im Jahr 1872 erwarb das Kirchspiel eine Orgel von der Tomaschower Parochie, renovierte 1876 das Gotteshaus und erbaute 1877 ein steinernes Pastorat.

Seit 1873 wanderten zahlreiche Kolonisten nach dem Lubliner Lande und nach Wolhynien aus, während die Tuchmacher nach Lodz und Zgierz wegzogen. Im Jahr 1900 baute man an die alte Kirche einen Turm an; 1901 errichtete man ein Kantorhaus als Schullokal und Wohnung für den Gemeindekantor; von 1877-1901 hatte diesen Zweck das alte Pfarrhaus erfüllt. 1904-1906 erfolgte an den Turm der Anbau einer neuen Kirche mit gewölbten Chören und gußeisernen Pfeilern. Die Kosten des neuen Gotteshauses, das am 31. Oktober 1906 im Anschluß an das Jahrhundertjubiläum der Gemeinde eingeweiht wurde, betrugen annähernd 12.000 Rbl. Im J. 1912 umgab man den evangelischen Friedhof in Dąbie mit einer Mauer. Während des Ersten Weltkrieges wurden Kirche und Pfarrhaus beschädigt. Im Jahre 1924 verließ Pastor Rutkowski Dąbie und ging nach Cyców. Seit 1934 lebte er hier i. R. und starb 1945 eines gewaltsamen Todes.

1926 trat die Pfarrstelle Pastor Alfred Bittner an. Noch im gleichen Jahr erbaute man ein Küsterhaus, bezog eine Glocke, renovierte 1929 die Kirche. Am 3. Mai 1930 wurde auf dem Dąbier evangelischen Friedhof ein von der Gemeinde gestiftetes Denkmal zu Ehren des Pfarrers von Modl eingeweiht. Am 9. September 1934 beging das Kantorat Besiekiery das 25jährige Jubiläum seines Bestehens. 1935 fand die Weihe des Bethauses in Szczepanowo statt. Im Jahre 1936 wurden von der Gemeinde die Dörfer Neu-Renneberg-Wygorzele, Rochów, Rochówek, Ksawerów, Ksawerówek, Odechów und Piaski abgetrennt und an die neue Parochie Lentschütz angeschlossen.

 

 

Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971

nach oben

 

Evangelische Kirchengemeinde Dąbie

nav nav
nach oben
Die Inhalte der Website und das Menü sind so umfangreich, dass wir empfehlen, das Querformat zu benutzen.