Geschichte der evangelische Kirchengemeinde Białystok

In der Provinz Neu-Ostpreußen organisierte sich 1796 in Białystok eine evangelische Gemeinde mit dem Prediger Brettschneider. 1802 veräußerten die Erben des Hetmans Branicki Białystok an den preußischen König, der es später an den russischen Zaren Alexander I. verkauft hat. Von 1811-1821 war die Parochie vakant und wurde von Grodno aus verwaltet. 1819 bewilligte Zar Alexander I. dem neuzuberufenden Pastor ein Jahresgehalt. Im Jahr 1829 errichtete die Gemeinde eine steinerne Kirche. Schon 1825 schenkte Zar Alexander I. ein Grundstück, auf dem in der Folgezeit Pfarrhaus und Schule erbaut wurden. Zur Realisierung dieser Vorhaben bewilligte Zar Nikolaus I. eine Beihilfe. Das frühere Pastorat soll von den Bauern als Getreidespeicher benutzt worden sein. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte die Gemeinde zum Kurländischen Evang.-Luth. Konsistorialbezirk. Dem seit 1903 in Białystok tätigen Pastor Theodor Zirkwitz gebührt das Verdienst, hier ein Gotteshaus im romanischen Stil nach den Plänen der Lodzer Baufirma Wende und Klause erbaut zu haben. Die Grundsteinlegung erfolgte am 31. Oktober 1909. Die Kirche wurde am 28. Juli 1912 durch den kurländischen Generalsuperintendenten Bernewitz unter Assistenz von 15 Pastoren eingeweiht. Am darauffolgenden Tag predigten hier Pastor Behse aus Wyszogród in estnischer, Pastor Loppe aus Łuck in polnischer und ein weiterer Pastor in lettischer Sprache.

Zur besseren Betreuung der Eingepfarrten auf dem Lande wurde zunächst im Jahr 1903 Adjunkt Wilhelm Wilde berufen. Am 30. März 1907 organisierte sich Białystok-Land zu einer selbständigen Parochie unter Leitung des Pfarrers Wilde, die aber nur bis 1919 bestand. Einer Verordnung des Kultusministers zufolge wurde im August 1919 die Gemeinde Białystok an die Evang.-Augsb. Kirche angegliedert.

Zum 25jährigen Amtsjubiläum des Pfarrers Zirkwitz, das er am 24. Januar 1917 beging, beschloß der Kirchenrat unter Führung seines Präses Brauneck, ein Kinderheim auf den Namen des Ortspastors zu gründen. Mit der Realisierung dieses Projektes wurde Frau Pastorin Viktoria Ida Zirkwitz beauftragt. Schon am 29. Juli 1917 konnte das Kinderheim in Ignatki bei Białystok provisorisch eröffnet werden. Der Gutsbesitzer Adolf von Reinhard stellte zu diesem Zweck einige Sommerhäuser im Walde zur Verfügung. Am 22. November 1917 wurde dann das Kinderheim im Gemeindehaus a. d. Warschauer Str. 48 neben der evangelischen Kirche untergebracht und eingeweiht. Es hieß seitdem „Pastor-Zirkwitz-Kinderheim‟. Die Zahl der Voll- und Halbweisen stieg in ihm gegen Ausgang des Ersten Weltkrieges auf 58. Im Jahr 1919 wurde ein Altersheim für alte Männer und Frauen gegründet, als dessen Stifterin und erste Leiterin Frau Zirkwitz fungierte.

Die Stillegung von Betrieben nach 1918 — von den 20 deutschen Großbetrieben vor 1914 blieb nur ein einziger —, Arbeitslosigkeit, Verarmung, Rückgang der Gemeindeglieder u. a. veranlaßten den Kirchenrat, das Gemeindehaus zwecks finanzieller Stärkung der Kirchenkasse zu vermieten. Diesen Entschluß konnte es um so mehr fassen, als Frau Natalie Klatt, Białystok, ihr Haus mit Garten a. d. Podleśnastr. 9 (am Stadtwald), dem Kirchspiel mit der Bedingung schenkte, alle kirchlichen Anstalten dorthin zu verlegen und sie selbst bis zu ihrem Lebensende mit zu verpflegen. Die Schenkung erfolgte ihrerseits „zur Ehrung des 35jährigen Amtsjubiläums ihres Seelsorgers am 24. Januar 1927‟. Am 9. Juni 1929 wurde der Grundstein zum neuen Anstaltsgebäude gelegt und dasselbe schon am 1. September des gleichen Jahres eingeweiht.
Bereits am 30. Juli 1922 hatte die Gemeinde das Fest der 10jährigen Einweihung ihrer Kirche begangen.
Der 1930 zum Vikar in Białystok ordinierte, dann als 2. und zuletzt als 1. Pastor wirkende Benno Adolf Kraeter entfaltete hier eine rege Tätigkeit. Im Jahr 1938 trat Pastor Zirkwitz in den Ruhestand. Am 20. Februar 1938 wurde Vikar Kliner als Religionslehrer für Volks- und Mittelschulen eingeführt.
Am 15. Mai 1938 wurde die Wahl einer aus 40 Personen bestehenden Gemeindevertretung durchgeführt und Pfingsten 1938 wurde der Kantor und Kirchenmusiker Ewald Weiß angestellt. Am 25. September 1938 wurde die von der Firma Hörz in Ulm bezogene Turmuhr eingeweiht, für deren Anschaffung Frau Aleksiejewa 6000 Złoty spendete. Im gleichen Jahr nahm die mit 2000 Büchern ausgestattete Gemeindebibliothek ihre Arbeit wieder auf. Im Monat Oktober 1938 wurde eine Gemeindeschwester angestellt.

In den Septembertagen 1939 wurden Ortspastor Kraeter u. a. nach dem KZ Bereza Kartuska verschleppt. Im Zuge der Umsiedlung 1939/40 hörte das Kirchspiel Białystok auf zu bestehen.

 

Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971

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Evangelische Kirchengemeinde Białystok

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